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Von Martina Conrad

Städel Museum Frankfurt zeigt 60 Werke der Malerin Der Zauber von Lotte Laserstein

Lotte Laserstein, In meinem Atelier, 1928, Öl auf Holz, 46 x 73 cm. (Foto: Pressestelle, Städel Museum Frankfurt - Foto: Lotte-Laserstein-Archiv / Krausse, Berlin)
Eine nackte junge Frau, hingeräkelt auf einem Sofa, die Malerin mit Palette dahinter an der Staffelei. Sie trägt ganz selbstbewusst den Kittel – ein Zeichen für Professionalität. Ein Gemälde, wie wir es von Manet oder Courbet kennen. Pressestelle Städel Museum Frankfurt - Foto: Lotte-Laserstein-Archiv / Krausse, Berlin
Doch dieses Motiv ist eine Sensation, so Kuratorin Elena Schroll, zumindest 1928: „Das ist ein Statement einer Künstlerin. Man muss bedenken in der Weimarer Republik erkämpfen sich die Frauen gerade den Zugang zu den Akademien, der ihnen vorher vor allem aufgrund der Aktunterrichte versagt wurde. Es galt nicht als sittlich, dass Frauen Akte malten. Und diese Künstlerin macht das ganz dezidiert zu einem ihrer Hauptthemen, zeigt sich als professionell ausgebildete Künstlerin, fügt Zitate der Kunstgeschichte ein und setzt die ganz selbstbewusst ins Bild. Und macht dass mit einem weiblichen Blick.“ Pressestelle Städel Museum Frankfurt - VG Bild-Kunst Bonn
Und dieser weibliche Blick ist in keiner Weise voyeuristisch, noch nicht einmal wirklich erotisch. Sanft umspielt das Licht die schlanke Figur der Freundin, die Lotte Laserstein immer wieder gemalt hat. Mal stellt sie uns ihre Freundin Gertrud Rose als sportliche junge Frau, mal als modebewusste Städterin mit Hut und Handschuhen vor. Auch wenn es so wirkt, es gibt keine Belege, dass diese Beziehung mehr als freundschaftlich war. Pressestelle Städel Museum Frankfurt - Foto: Das verborgene Museum, Berlin
Neben den Akten sind es die Porträts der neuen Frau, die im Berlin der 1920er Jahre berufstätig ist und selbst für sich sorgen kann. Kuratorin Elena Schroll: „Lotte Laserstein ist ganz stark auf die Frau fixiert. Das ist auch das Typische, warum sie in diese Zeit passt. Laserstein ist eine unglaublich ernsthafte Künstlerin, die sich nicht in der Subkultur selber aufgehalten hat. Sie war kein Partygirl, hat aber trotzdem die Gesellschaft beobachtet und ein Stimmungsbild eingefangen. Eine Atmosphäre der Gesellschaft.“ Pressestelle Städel Museum Frankfurt - Foto: Städel Museum, Artothek
Ausgehend vom Realismus eines Adolph Menzel oder Wilhelm Leibl arbeitet sich Lotte Laserstein aus den dunklen, erdigen Farbtönen des 19. Jahrhunderts ins helle, moderne Bild des 20. Jahrhunderts. Sie mischt impressionistische Anklänge mit Neuer Sachlichkeit, und doch wirkt nichts direkt progressiv. Der Stil ist konservativ modern, unverwechselbar. Sie galt in der Kunstszene als rising star. Pressestelle Städel Museum Frankfurt - Foto: Städel Museum / VG Bild-Kunst, Bonn 2018.
Es fällt auf, dass Lotte Laserstein anders als Zeitgenossinnen wie Jeanne Mammen oder Käthe Kollwitz auf Sozialkritik verzichtet. Sie beschränkt sich darauf zu schildern, dies jedoch überaus einfühlsam und vorausschauend. Pressestelle Städel Museum Frankfurt - Foto: Anna Elisabeth Witte, Berlinische Galerie
Eines der Hauptwerke ist „Der Abend über Potsdam“ von 1930. Fünf Freunde haben sich auf einer Dachterrasse versammelt. Jeder blickt für sich ins Leere - oder vielleicht schon in eine düstere Zukunft? Das Motiv erinnert an ein christliches Abendmahl, hat eine symbolträchtige Bedeutung, mitten in der Weltwirtschaftskrise. Die Goldenen 20er gehen zu Ende. Pressestelle Städel Museum Frankfurt - Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Roman März
Ihre besten Jahre enden auch für Lotte Laserstein. 1933 wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Großeltern zunehmend aus der Szene ausgeschlossen. Sie musste ihre Malschule schließen. 1937 gelang die Flucht nach Schweden. Pressestelle Städel Museum Frankfurt - VG Bild-Kunst Bonn
Traurig endete damit die Karriere von Lotte Laserstein, die durch die NS-Zeit viel zu früh ins Stocken geraten war. Die Künstlerin arbeitete zwar weiterhin als geschätzte Porträtistin, aber das geballte Selbstbewusstsein der 1920er und 30er Jahre fehlt den späteren Werken."Lotte Laserstein, Von Angesicht zu Angesicht". Ausstellung im Frankfurter Städel Museum vom 19.9.2018 bis zum 17.3.2019. Pressestelle Städel Museum Frankfurt - Foto: Städel-Museum, Artothek
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