Gespräch

Fünf Jahre nach dem OEZ-Attentat in München – Hinweise auf Rechtsterror wurden ignoriert

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INTERVIEW

„Nicht nachvollziehbar“ und „merkwürdig“ sei es, dass das Attentat am Münchner Olympia-Einkaufszentrum vor fünf Jahren erst sehr spät als Tat eines Rechtsterroristen anerkannt worden ist, kritisiert die Politologin Britta Schellenberg.

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Im Gespräch mit SWR2 verweist die Expertin von der Universität München auf zahlreiche Hinweise, dass die Ermordung von neun Menschen am 22.Juli 2016, als Terror-Tat geplant worden sei. So habe der Täter sich vorher in digitalen Chat-Foren eindeutig geäußert; auch den Tag der Tat – fünf Jahre nach dem Terroranschlag des Rechtsterroristen Anders Breivik in Norwegen – habe er bewusst gewählt.

Als Grund für den Streit um die Einschätzung des Münchner Anschlags sieht Schellenberg Mängel in der Ausbildung von Polizistinnen und Polizisten. Dort werde zu wenig über Vorurteile als Motiv einer Gewalttat aufgeklärt.

„Es ist wichtig zu verstehen, dass das ein eigenständiges Kriminalitätsphänomen ist“, so Schellenberg. Denn Vorurteilskriminalität gefährde die Sicherheit von ganzen Gesellschaftsgruppen. Allerdings gebe es auch ein „Problem von oben“, wenn die Verantwortlichen in Ministerien und Behörden „resistent“ seien und sich weigerten, Hinweise von Polizistinnen und Polizisten aufzugreifen.

„Oftmals hilft es auch, die Zeugen anzusprechen. Die haben ein ganz gutes Gespür dafür, was hinter einer Tat steckt“, rät Schellenberg den Verantwortlichen. Auch hätte die Selbstenttarnung des NSU eine Warnung sein müssen: „Es ist wirklich merkwüdig, dass dann wieder sowas passieren kann“.

Der OEZ-Anschlag

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