Fleischatlas 2018 Besser essen? So geht's!

Meinung am 11.1.2018 von Susanne Henn

Die fünf weltgrößten Fleisch- und Milchkonzerne verursachen mehr klimaschädliche Gase als der Öl-Riese Exxon. Das ist das Ergebnis des Fleischatlasm 2018, veröffentlicht von von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung und "Le Monde Diplomatique". Die Autoren fordern deshalb weniger Fleischkonsum. Kein Grund, gleich Vegetarier zu werden, so Umweltredakteurin Susanne Henn in ihrer SWR2-Meinung.

Ich kann es nicht mehr hören

Vegetarier helfen Tieren, schonen die Krankenkasse, schützen das Klima und retten Leben – kurz – sie sind die besseren Menschen. Ich kann´s nicht mehr hören, obwohl ich selbst so gut wie kein Fleisch mehr esse - denn so einfach ist es eben nicht.

Natürlich essen wir in Deutschland insgesamt viel zu viel Fleisch. Und natürlich ist es deutlich besser, kein Fleisch zu essen als ein Billighähnchen vom Discounter, das gerade mal 2 Euro 99 kostet.

Ramschkühe und Ramschhühner

Da möchte man sich gar nicht vorstellen, wie es diesem Tier zu Lebzeiten ging. Das möchte man aber auch nicht bei der Kuh, deren Milch zu 69 Cent verramscht wird oder der Henne aus der Legebatterie, deren Ei gerade mal 11 Cent wert sein soll.

Nicht nur Schweine leiden

Vegetarier essen ja nicht nur deshalb kein Fleisch, weil es gesünder ist, sondern weil Ihnen – platt gesagt - die Tiere leid tun. Das jedoch sollte nicht nur für Schweine gelten, die nach einem kurzen, engen und oft qualvollem Leben beim Schlachter landen, sondern auch für Hochleistungskühe, deren einziger Daseinszweck es ist, pro Jahr 10.000 Liter Milch zu geben, die nie eine Weide sehen und unter ständigen Euterentzündungen leiden.

Nur noch bedauern kann man ebenfalls das Hybrid-Huhn, das bis zu 320 Eier im Jahr legen muss und nach zwei Jahren völlig entkräftet ausgemustert wird. Das sind keine Klischees. Das ist der deutsche Nutztier-Alltag. So gehen wir mit Tieren um.

Weniger Fleisch essen, dafür besseres

Bessere Menschen sind die, die auf solche Produkte aus Massentierhaltung verzichten, Bio einkaufen oder beim Bauern um die Ecke, dessen Tierhaltungsbedingungen sie kennen. Dann geht auch Fleisch.

Bewusst einkaufen, statt möglichst billig zu konsumieren. Deutlich weniger Fleisch, weniger Milchprodukte, weniger Eier, dafür mehr Obst, Gemüse und Getreide - das wäre für alle besser, gesund für uns, gut für's Klima und vor allem: besser für die Tiere, denn Massentierhaltung zur Billigproduktion wäre dann weitgehend überflüssig.

Weniger Käse auf's Brot

Nur so können wir die Kehrtwende in der Tierhaltung schaffen: Indem wir uns bewusst gegen "billig" und für Qualität entscheiden. Und das gilt auch für die, die zwar keine Wurst mehr essen, aber sich dafür das Brot dick mit Käse belegen oder Sojaprodukte aus fragwürdigem Anbau kaufen.

Klasse statt Masse - ja, ich weiß, das klingt nach Schlagwort, ist aber trotzdem richtig. Das kostet dann zwar etwas mehr, aber es gibt kein Recht darauf, jeden Tag ein Schnitzel zu essen.

Lebensmittel unglaublich billig

Etwas mehr für's Essen auszugeben sollte verkraftbar sein in einem Land, in dem Lebensmittel immer noch unglaublich billig sind. Und in dem wir es uns leisten, pro Kopf jedes Jahr 82 Kilo Lebensmittel einfach in den Müll zu schmeißen – nicht, weil sie verdorben wären, sondern weil wir einfach keine Lust mehr darauf haben.

Bessere Menschen sind auch die, die ihren Teller leer essen und ihre Reste am nächsten Tag verwerten, statt sie dem Müllschlucker zu überlassen – auch dann, wenn Fleisch dabei war.

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