Netzkultur

„Fave“-App und Co: Fan-Communities im Visier der Majorlabels

STAND
AUTOR/IN

Sie sind eine Macht: Regelmäßig organisieren sich Fans bestimmter Künstler*innen oder Musikrichtungen online, um etwa einen rassistischen Hashtag wie #whitelivesmatter zu kapern und stattdessen K-Pop-Fan-Messages zu verbreiten. Die Dynamik dieser Communties wollen Majorlabels und Start-Ups wie die App „Fave“ nun in klingende Münze verwandeln.

Audio herunterladen (3,6 MB | MP3)

Apps speziell für Fan-Communities

Man wolle „Superfans“ verbinden und eine Möglichkeit schaffen, dass sich Fans auf Augenhöhe treffen können, erklärt Jacquelle Amankonah Horton ihre App „Fave — For Passionate Fans“. Das Netzwerk erinnert an TikTok, es gibt Videos von Taylor Swift-Coversongs, Fanparties und alles, was „Superfans“ eben so interessiert und beschäftigt.

Fandoms und totale Faszination durch ein Pop-Idol wird seit dem Massenphänomen Beatles in der Gesellschaft zwar häufig als lächerliche Teenie-Schwärmerei abgetan, lockt inzwischen aber viele Investor*innen an: Zwei Millionen US-Dollar konnte allein „Fave“ für seine Entwicklung gewinnen. Auch andere Apps wie „Stationhead“, eine Art Musik-Clubhouse oder „Cameo“, bei dem man digitale Meet & Greets mit seinen Lieblingsstars kaufen kann, haben diesen Markt für sich entdeckt.

CONFIRMED! Let's meet multi-talented artist @TINASHE on our Stream Party on @STATIONHEAD! 🌹#KAI Don't miss #TINASHExKAI Party with Sweetees & Tinashe herself 🤩 @tinashediary 🎶: https://t.co/HXrY8gb4I9 Aug 8 10AM PT / 1PM ET Aug 9 2AM KST https://t.co/HJgiRIhy0f

Daten zum Fanverhalten sind eine Marketing-Goldgrube

Für die Fans scheint es lohnenswer: Wer sich in der „Fave“-App aktiv in die Community einbringt, bekommt Punkte und kann diese dann etwa gegen Konzerttickets tauschen — „Superfans“ werden für ihre Leidenschaft belohnt! Der Hintergrund ist jedoch ein ganz anderer: Die App analysiert das Nutzerverhalten — je mehr Daten zur Verfügung stehen, je aktiver die Nutzer*innen sind, umso besser. Die Erkenntnisse und Daten werden dann weiterverkauft, zum Beispiel an Musiklabels. Diese können so ihre Marktanalyse verbessern.

Zwar gibt „Fave“ an, die Fans gefragt zu haben, ob diese mit dem Datenverkauf einverstanden seien und außerdem nichts zu tun, was nicht im Interesse der Künstler*innen und der Musik-Community läge, doch Zweifel bleiben beim Datenschutz. Vor allem kritisch wird es, wenn es sich bei den Fans um Minderjährige handelt.

Fan-Communities werden aufgewertet

Musikmarketing-Expertin Ami Patel begrüßt zwar die Aufwertung, die Fan-Gemeinden durch diese Apps und Community-Tools erhalten: „Oft werden Fangemeinden nicht gewürdigt und es wird herablassend über sie geredet. Dabei sind die Fans der Motor der Musikindustrie.“ Es müsse jedoch verantwortungsvoll mit deren Daten umgegangen werden.

„Empowerment“ soll die Organisation den Fans bringen — gemeinsames Engagement in der Gruppe kann Positives bewirken. Etwa wenn Fans der K-Pop-Band BTS über Twitter Geld für andere bedürftige BTS-Fans sammeln oder sich gegen Rassismus einsetzen.

December’s #FundraiserOfTheMonth title goes to the charity superstars at BTS fan group @OneInAnARMY. This month, fans rallied to help the Goedgedacht Trust support children in disadvantaged communities – smashing their $20,000 goal with weeks to go. A dynamite performance! https://t.co/PkIe7xQ9aM

Raffiniertes Marketing nutzt die Fan-Gruppen

Dass es bei Apps wie „Fave“ jedoch nicht nur um „Empowerment“ Community-Building geht, scheint klar: Dahinter steht sehr viel Geld. Durch Social Media — wie bei Influencer*innen — lässt sich heute kaum noch sagen, was leidenschaftliches Fan-Engagement ist und was die gezielte Marketing-Strategie eines großen Musikunternehmens.

Musik Verliebt in die eigene Zukunft: Neues Album „Happier than ever“ von Billie Eilish

Billie Eilish hat sich auf ihrem zweiten Album „Happier than ever“ nicht neu erfunden – und das ist eine gute Nachricht. Mit ihrem Bruder arrangiert Eilish in gewohnter Manier aktuelle Sounds aus Quellen wie Jazzstandards und den Beatles. Die Markenzeichen von Eilishs Musik werden so eher noch verfeinert.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Netzkultur Der Nachfolger des Internets: Das Metaversum

Die Tech-Industrie im Silicon Valley hat ein neues Lieblingswort: Das Metaversum. Die digitale Parallelwelt soll Nachfolger des Internets werden. Facebook hat dafür sogar eine eigene Abteilung gegründet. Und auch Microsoft Chef Satya Nadella sprach kürzlich vom „Enterprise Metaverse". Die Idee: Das Internet soll zum dreidimensionalen Raum werden, in dem man Inhalte nicht nur anschaut, sondern auch in ihnen steckt.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Social Media Tiktok in den USA: Warum steht die Teenie-App in der Kritik?

Auf Tiktok gibt es Likes nicht für Selfies, sondern für möglichst originelle, selbstgedrehte Tanzvideos. Auf den ersten Blick ist die Online-Plattform ein heiterer Zeitvertreib. Doch Datenschützer und Aktivistinnen schlagen Alarm. Auch US-Präsident Donald Trump versucht, alle Geschäfte von Tiktok in den USA verbieten lassen. Geht es nach ihm, soll stattdessen ein US-Konzern das US-Geschäft vom chinesischen Mutterkonzern übernehmen. Was ist dran an der Kritik an Tiktok?  mehr...

STAND
AUTOR/IN