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INTERVIEW

Mit der Miniserie „Ehrenpflegas“ geht das Familienministerium unkonventionelle Wege, um Nachwuchs für Pflegeberufe zu gewinnen. Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, wie wichtig gut ausgebildete Pflegekräfte in Krankenhäusern und Heimen sind. Dennoch sendeten die schlechten Arbeitsbedingungen und der Mangel an Wertschätzung weiterhin verheerende Signale an den potentiellen Nachwuchs, sagt Sozialwissenschaftler Stefan Sell in SWR2.

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Kaum Geld, kaum Karrieremöglichkeiten

Nur rund 4% der jungen Menschen hätten tatsächlich Interesse, einen Pflegeberuf zu ergreifen, sagt Stefan Sell. Gerade das Interesse an der Altenpflege, dem Bereich mit dem größten Personalmangel, sei dabei besonders niedrig.

„Das hat schon eine komische Note zu glauben, man könne über solche Formate junge Leute begeistern für ein schwieriges Berufsfeld.“

Stefan Sell

Junge Menschen nähmen ein „gestörtes Preis-Leistungs-Verhältnis“ im Pflegeberuf wahr. Nicht nur die schlechte Bezahlung hielte sie demnach davon ab, in die Pflege zu gehen. Viele Menschen sähen in dem Berufsfeld außerdem keine Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung.

Schreckliche Signale an den Nachwuchs

Der kommende Mindestlohn für ausgebildete Pflegekräfte würde das Problem nicht lösen, sagt Gesundheitsexperte Sell. „15 Euro brutto für eine qualifizierte Tätigkeit mit großer Verantwortung: Das ist eher peinlich.“

Auch die viel versprochene Corona-Prämie für Pflegefachkräfte sei „ein Gewürge ohne Ende“ gewesen und „lächerlich überschaubar“ ausgefallen. Das seien schreckliche Signale an den Nachwuchs.

Stefan Sell ist Professor für Volkswirtschaft und Sozialpolitik an der Hochschule Koblenz.

Trailer „Ehrenpflegas“

Die fünfteilige Miniserie „Ehrenpflegas“, die unter jungen Menschen für den Pflegebesuch werben soll, läuft zum Beispiel bei Youtube:

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