Gespräch

„Verräterische Daten“: Biometrische Geräte in den Händen der Taliban

STAND
INTERVIEW
Wilm Hüffer

Der Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte und ihrer Verbündeten aus Afghanistan im August 2021 konnte nicht schnell genug gehen. Tonnenweise Kriegsgerät verblieb im besetzten Land und wurde den Taliban überlassen. Gespeicherte sensible Daten werden für die Ortskräfte im Land zur Lebensgefahr. Rebecca Ciesielski beleuchtet das Thema in einem neuen Radio-Feature.

Audio herunterladen (6,3 MB | MP3)

Afghanische Ortskräfte durch zurückgelassenes Kriegsgerät der US-Truppen in Lebensgefahr

Amerikanische Streitkräfte haben tonnenweise Kriegsgerät in dem besetzten Land zurückgelassen, doch nicht nur das: Auch biometrische Messgeräte haben die US-Armee und verbündete NATO-Truppen, darunter auch die Bundeswehr, den neuen Besatzern überlassen. Damit sind sensible Daten wie Namen, Gewicht, Größe, Fingerabdrücke, Fotos und Iris-Scans in den Besitz der Taliban gelangt.

Abzug der US-Truppen aus Afghanistan (Foto: IMAGO, ZUMA Wire)
Im August 2021 beschließen die USA den überstürtzten Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan. Ortskräfte, die nicht mit den Militärs ins Ausland flüchten können, sind den Taliban hilflos ausgeliefert ZUMA Wire

Das Speichern dieser Daten war Teil der US-Kriegsstrategie, erklärt Autorin Rebecca Ciesielski, um Freunde von Feinden zu trennen. Doch diese Daten waren auf den Geräten nicht oder nur unzureichend verschlüsselt. Damit schweben nun zahlreiche Menschen in Lebensgefahr, so Ciesielski. Zum Beispiel die Ortskräfte, die der Bundeswehr jahrzehntelang bei ihrer Mission geholfen haben.

Die Ergebnisse ihrer Recherchen hat Rebecca Ciesielski mit ihrem Kollegen Maximilian Zierer im Radio-Feature „Verräterische Daten“ veröffentlicht. Ab jetzt in der ARD-Audiothek.

Feature | ARD Radiofeature Verräterische Daten – Doku über die Gefahren der Biometrie

Biometrische Merkmale identifizieren jeden Menschen zweifelsfrei. Sicherheitsbehörden sammeln und nutzen diese Daten immer stärker. In den falschen Händen sind diese Daten tödlich. Von Rebecca Ciesielski und Maximilian Zierer

SWR2 Feature SWR2

Mehr über Afghanistan:

Bildung Afghanistan: Taliban verbannen Frauen aus Universitäten

In Afghanistan dürfen Frauen nicht mehr studieren. Das haben die radikalislamischen Taliban angeordnet. Dafür gibt es weltweit Kritik. Seit der Machtübernahme haben die Taliban die Rechte von Mädchen und Frauen immer weiter eingeschränkt, vor allem bei der Bildung.

SWR2 Impuls SWR2

SWR2 Glauben Heimweh nach Afghanistan – ein Land im Knebel der Religion

Eine ehemalige Rektorin aus Kabul unterstützt von Deutschland aus Frauen in ihrer Heimat. Achtzig Prozent der afghanischen Bevölkerung sind von Hunger bedroht.

SWR2 Glauben SWR2

Mittlerer Osten Die Taliban in Afghanistan – Nach 20 Jahren erneut an der Macht

Die Taliban sind in Afghanistan zurück an der Macht. Grotesk: Heute stehen ehemalige Taliban-Kämpfer als Sicherheitsleute im Bamiyan-Tal vor den großen Lücken in den Felswänden und bewachen die Überreste der Buddha-Statuen – das UNESCO-Weltkulturerbe, das sie selbst zerstört haben. ARD-Korrespondentin Silke Diettrich ist nach Afghanistan zurückgekehrt und erkundet ein Land, das sie so bisher nicht kannte: das neue Islamische Emirat der Taliban. | Mehr: http://swr.li/taliban-afghanistan | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen

SWR2 Wissen SWR2

STAND
INTERVIEW
Wilm Hüffer