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„Man hätte sich früher über das langfristige Ergebnis der Pandemie unterhalten müssen“, kritisiert der Epidemiologe Klaus Stöhr die deutsche Strategie zur Bekämpfung des COVID-19-Virus. Der ehemalige Direktor des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganistion WHO hält zwar den Frühjahrs-Lockdown für richtig („Man musste hier reingrätschen“). Doch danach habe man die Konsequenzen falsch eingeschätzt.

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Alle Menschen werden sich infizieren

Stöhr bewertet die Pandemie als Naturereignis, das nicht zu stoppen sei. „Es werden sich alle Menschen infizieren", so der Experte, der von 2007 bis 2011 die Impfstoff-Forschung bei Novartis leitete, im Gespräch mit SWR2. Man müsse lernen, mit dem Virus zu leben. Bereits bei anderen Corona-Viren, die in der Gesellschaft zirkulieren, habe der Mensch gelernt sich anzupassen. Mit dem Wissen, dass es bis Mitte nächsten Jahres keinen Impfstoff geben werde, sei es wichtig, die Risiken zu minimieren.

Das kleinere Übel wählen

Nach Stöhrs Einschätzung sind zurzeit noch etwa 85 Prozent der Bevölkerung empfänglich für das Virus. Wenn es wichtig sei, das öffentliche Leben weiterlaufen zu lassen, sei es notwendig, die Sensiblen zu schützen. „Wir müssen das kleinere Übel wählen und bestimmte negative Auswirkungen akzeptieren“, so Stöhr.

Risikogruppen müssen geschützt werden

Im Gegensatz zur „Herdenimmunität“ ginge es aber nicht darum gezielt viele Menschen zu infizieren oder die Erkrankung einfach durchlaufen zu lassen. Ziel sei vielmehr, die Gefahren für die Risikogruppen möglichst gering zu halten, im Bewusstsein, dass sich viele Menschen langfristig mit dem Virus infizieren werden.

Seine düstere Prognose: „Die Pandemie wird nicht verschwinden, wenn der Impfstoff zur Verfügung steht. Sie wird dann zu Ende gehen, wenn das Virus alle Menschen gefunden hat“.

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