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Der Kniefall, die Bekenntnisse, die #SayNoToRacism-Kampagne der UEFA, all das war in England nach dem Finale plötzlich vergessen: Als beim Endspiel drei People of Colour die entscheidenden Elfmeter verschossen, wurden sie Opfer zahlloser rassistischer Beleidigungen.

Das EM-Finale im Londoner Wembley Stadion im Schatten des Rassismus (Foto: Imago, imago images/Focus Images)
Dass es auch die Leistung der People of Colour im Team der „Three Lions“ war, die die Mannschaft überhaupt erst ins Wembley Stadion brachte, spielt nach dem verlorenen Finale für viele Menschen offenbar keine Rolle mehr. Imago imago images/Focus Images

Rassismus als Antwort auf ein verlorenes Finale

Nach regulärer Spielzeit plus Verlängerung in einem umkämpften Spiel war es das Elfmeterschießen, das das Finale der Fußballeuropameisterschaft im Londoner Wembley Stadium entschied. Gareth Southgate, Coach der Engländer, setzte dabei vor allem auf die jungen Spieler. Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka scheiterten letztlich am Punkt.

Während die Italiener ihren Sieg feierten, sahen sich die drei unglücklichen Elfmeterschützen binnen Minuten mit heftigen rassistischen Äußerungen im Netz konfrontiert: Sie wurden persönlich für das Scheitern der Titel-Mission verantwortlich gemacht.

Rassistische Kacksprüche gegen BPoC im Fußball gibt es nicht nur in England. Wenn sie gewinnen, gehören sie vielleicht dazu. Wenn sie verlieren, zerreißt sie der unkontrollierte Mob. Ungeschützt vom DFB, ungeschützt von der UEFA. #schwarzeadler #SayNoToRacism

Die sozialen Medien als Ventil des Rassismus

Das EM-Finale im Londoner Wembley Stadium im Schatten des Rassismus (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / ASSOCIATED PRESS)
England-Trainer Gareth Southgate tröstet den 19jährigen Bukayo Saka, der den letzten Elfmeter vergab. picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Auf dem Instagram-Account von Bukayo Saka fanden sich nach dem Finale dutzende Kommentare, die ihn allen voran wegen seiner Hautfarbe diffamierten und beleidigten. Die Polizei ermittelt bereits.

Weil drei schwarze Fußballer die Elfmeter für England verschossen haben, trendet nun auf Twitter das N-Wort. Nachdem Twitter den Hashtag in "SayNoToRacism" umgewandelt und in die Trends gelegt hat, rufen Menschen nun dazu auf, "SayYesToRacism" in die Trends zu bringen. /1

Auf Twitter trendete nach dem Spiel das N-Wort, gepaart mit Gewaltaufrufen gegen People of Colour. Als Twitter den Hashtag in #SayNoToRacism umwandelte, um die Beleidigungen zu stoppen, wurde von Nutzer*innen dazu aufgerufen, „Say Yes to Racism“ in die Trends zu bringen.

Die FA verurteilt alle Formen von Diskriminierung und ist erschüttert über den Rassismus online, der in den sozialen Netzwerken auf einige unserer England-Spieler zielt.

Ein schwieriges Turnier für die Vielfalt

Doch nicht nur im Netz kam es zu rassistischen Entgleisungen: So berichten schwarze Frauen davon, nach der Niederlage aus Pubs geworfen worden zu sein - mit Verweis auf ihre Hautfarbe.

Schwarze Bürgerrechtsorganisationen riefen in der Nacht sogar schwarze Brit*innen dringend dazu auf, das Haus nicht zu verlassen. Menschen berichteten von zielgerichteten gewalttätigen Ausschreitungen gegen People of Colour.

Zeitgeschichte Der Kniefall im Sport: Was bedeutet die Protestgeste?

Die Deutsche Fußballnationalmannschaft machte vor dem EM-Achtelfinale gegen England einen Kniefall, um ein „Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierungen zu setzen“, so Kapitän Manuel Neuer. Doch woher stammt der Kniefall als Geste des Protests im Profi-Sport und was bedeutet er?  mehr...

Von den großen Gesten des Respekts und der Vielfalt, von den Regenbögen und Kniefällen scheint nach dem verlorenen Finale nichts mehr übrig zu sein.

Verbotene Pride-Flags, Rassismus und gewalttätige Ausschreitungen in und um die Stadien: Vorfälle, die ein pandemisch betrachtet ohnehin problematisches Turnier in ein noch schlechteres Licht rücken lassen.

We win together and we lose together. So proud to have teammates with such top character. Takes huge bollocks just to volunteer. As for the racism, hurtful but not surprising. Will never get bored of saying that more needs to be done. Educate and control the platforms!✊🏽 https://t.co/LHSBoZin8O

Prinz William äußert sich offiziell zu den Vorfällen

In einem offiziellen Statement auf dem Kensington Royal Twitter-Account verurteilt auch der Herzog von Cambridge die rassistischen Äußerungen rund um das EM-Finale.

Es sei „inakzeptabel“, das Spieler solch einem „abscheulichen Verhalten“ ausgesetzt seien. Der Rassismus mache ihn krank, so der zukünftige König William.

I am sickened by the racist abuse aimed at England players after last night’s match. It is totally unacceptable that players have to endure this abhorrent behaviour. It must stop now and all those involved should be held accountable. W

Marcus Rashford äußert sich zu den Vorfällen

Rashford, der selbst Ziel der rassistischen Vorkommnisse rund um das EM-Finale war, äußerte sich am Montagabend in einem langen Statement via Twitter:

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