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„Der Prozess hat die ganzen korrupten Machenschaften zwischen Geschäftswelt und Politik in der Slowakei an die Oberfläche gespült“, sagt Christoph Dreyer von „Reporter ohne Grenzen“ in SWR2 am Morgen.

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Urteil zum Mord an #Journalist Jan Kuciak in der #Slowakei: Gericht spricht Geschäftsmann Marian #Kocner und seine Vertraute Alena Z. lediglich des illegalen Waffenbesitzes schuldig und verhängt Geldstrafen. https://t.co/TlhycCGZM7

Neue, belastende Chatprotokolle aufgetaucht

Chatprotokolle des Unternehmers Marián Kočner, dem vorgeworfen worden war, Auftragsgeber für die Morde an dem Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová im Februar 2018 gewesen zu sein, hätten gezeigt, wie Kočner minutiös Anweisungen an Leute in der Justiz und der Politik erteilt habe.

„Dieses Netzwerk gilt es trockenzulegen. Und da hoffen wir auch, dass jetzt die Justiz deutlich machen kann, dass diese Korruption wirklich nicht mehr geduldet wird in der Slowakei und dass man mit so einem Verbrechen nicht mehr durchkommt“, so Dreyer. Der langjährige slowakische Ministerpräsident Robert Fico musste bereits 2018 im Zuge des Falls Kuciak zurücktreten. Der Wunsch nach Wandel sei jedenfalls in der slowakischen Öffentlichkeit auf vielen Ebenen spürbar, meint Dreyer.

Korruption und Mafia-Kontakte bis in höchste Regierungskreise

Kuciak hatte zu Verbindungen zwischen der kalabresischen Mafia, slowakischen Geschäftsleuten und der Politik recherchiert. Er war außerdem — wie die ebenfalls ermordete maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia — an der Auswertung der Panama Papers beteiligt gewesen.

Der geständige Mörder von Ján Kuciak und Martina Kušnírová wurde bereits im April 2020 zu 23 Jahren Haft verurteilt.

Am 3. September wurde der Geschäftsmann Marián Kočner inzwischen wider Erwarten vom Mordvorwurf freigesprochen, das Gericht sah es als nicht erwiesen an, dass er an den Morden an Kuciak und Kušnírová beteiligt war.

Gespräch Urteil gegen Deniz Yücel: „Die Justiz in der Türkei agiert nicht unabhängig“

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