Gespräch

Schwäbisches Original mit Sympathien für Baden – Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir

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INTERVIEW

In Identitätsfragen hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir eine gewisse Übung. Er ist auf der Alb in Bad Urach geboren, hat das Deutsche im Kreissaal und das Türkische mit der Muttermilch mitbekommen. Die schwäbische Sparsamkeit liegt ihm ebenso wie der badische Wein, der Freiheitskampf seines Landsmannes Friedrich Schiller nötigt ihm Respekt ab. „Gerade weil wir in Deutschland eine Demokratie haben, haben wir die Pflicht, diese zu schützen – bei uns und anderswo“, meint Cem Özdemir im Gespräch mit SWR2.

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Erfolgsstory Baden-Württemberg

Auch zum 70. Geburtstag Baden-Württembergs am 25. April gebe es noch Rivalität zwischen Badenern und Schwaben. Aber Baden-Württemberg sei „super zusammengewachsen“, so Özdemir,  das Land sei eine „einzigartige Erfolgsstory“. Baden-Württemberger hielten das, was andere versprächen. Das gelte in vielen Bereichen, so auch in Integration oder im Klimaschutz. Das soll auch so weitergehen, wünscht sich Özdemir.

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Der „anatolische Schwabe“ und Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir kam am 21. Dezember 1965  in Bad Urach zur Welt. Seine Eltern waren Anfang der 1960er Jahre aus der Türkei eingewandert und haben sich erst hier kennen gelernt. Zwei Erinnerungsstücke an seinen Eltern sind Özdemirs „kleine Schätze“: Der Wintermantel seines Vaters und die Schneiderschere seiner Mutter.  mehr...

Was ist die schwäbische Seite an Cem Özdemir?

Özdemir: „Was die Sparsamkeit angeht, das bedient zwar ein bisschen das Klischee, aber ich glaube, da ist schon ein bisschen was dran. Ich ertrage es nicht, wenn die Leute das Licht anlassen, den Wasserhahn nicht zumachen und solche Sachen, die jetzt natürlich noch mal eine andere Aktualität bekommen durch das Thema Klimaschutz und dass man mit knappen Ressourcen sparsam umgehen muss.“

Und was ist die badische Seite?

Özdemir: „Ich gestehe: Beim Wein haben die Badener schon echt was anzubieten. Wobei unsere Württembergischen Weine sich eigentlich nicht verstecken müssen.

Und dann natürlich die Badische Revolution von 1848. Da muss man schon wirklich den Hut ziehen. Die Badener waren schon traditionell freiheitsliebend. Die haben da wirklich vorgelegt. Das gereicht uns allen im Land zur Ehre, wie sie damals für Freiheit gekämpft haben.“

Plädoyer für die Freiheit im Geiste Schillers

Wenn Özdemir am Stuttgarter Schillerdenkmal vorbeiläuft, denkt er daran, dass Schiller zu Lebzeiten aus Württemberg fliehen musste, nach Mannheim, wo auch „Die Räuber“ uraufgeführt wurden. Dass er 2019 selber die Schillerrede des Marbacher Literaturarchivs halten durfte, empfand Özdemir als „Riesenehre“. Es wurde ein flammendes Plädoyer für die Freiheit und gegen mediale Hassbotschaften, vor allem der AfD.

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Freiheitskämpfer Schiller erst nach der Schule entdeckt

Dabei habe er auch „echt Manschetten“ gehabt, erzählt Özdemir und verweist auf seine Bildungskarriere: In der fünften Klasse war er auf der Hauptschule, im Fach Deutsch hatte er ein Fünf. Dann folgten Realschule, mittlere Reife und Berufsausbildung als Erzieher.

„Es gibt ja ein schönes Zitat aus Wilhelm Tell: Hohl ist der Boden unter dem Tyrannen. Das will ich den Putins und den Erdoğans und wie sie alle heißen zurufen mit Wilhelm Tell von unserem Landsmann Friedrich Schiller.“

Erst als die Anfrage zur Schillerrede kam, habe er angefangen, Schiller zu lesen und Hörbücher zu hören: Da gebe es soviel zu entdecken, was jetzt noch passe in Bezug auf die Putins und die Erdogans dieser Welt.

Auszüge aus dem Interview in SWR2 am Samstagnachmittag vom 23. April 2022. Das ganze Interview können Sie in diesem Beitrag hören.

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