Zeitgenossen

Eckart Conze: „Fortschritt wird an der Lösung globaler Probleme gemessen.“

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AUTOR/IN
Rainer Volk

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Nach einem Jahr, das von Debatten über die Sicherheit vor einem Virus beherrscht war, warnt der Marburger Zeithistoriker Eckart Conze davor, „Sicherheit“ und „Freiheit“ zu sehr gegeneinander zu stellen. „Sicherheit öffnet Räume für individuelle Freiheit, aber auch für gesellschaftliche Freiheit“.

Gegen juristisches Vorgehen der Hohenzollern

Der Autor eines Standardwerks, dass die gesamte Nachkriegs-Geschichte der Bundesrepublik als „Suche nach Sicherheit“ interpretiert, hat sich im vergangenen Jahr intensiv an der Debatte um die Entschädigung des Hohenzollern-Clans beteiligt. Er verurteilt die Versuche von Anwälten der Nachfahren des letzten deutschen Kaisers, Historiker und Publizisten mit Klagen zu überziehen.

Seine Analyse lautet: „Der Diskurs ist nicht mehr frei.“ Weil es um zentrale Fragen der deutschen Vergangenheit gehe, dürfe das nicht sein. Er fordert: „Die Diskussion darf nicht beeinträchtigt sein durch eine juristische Rahmung.“ 

Die Ampel-Koalition und der Begriff „Fortschritt“


Seine ‚Feuertaufe‘ als Mitstreiter in der Öffentlichkeit bestand der 58-jährige vor gut 10 Jahren als Mitherausgeber des Buches „Das Amt und die Vergangenheit“, das die Rolle deutscher Diplomaten im Holocaust und ihre Karrieren nach 1945 beleuchtete. Im Gespräch mit Rainer Volk geht es auch um Umdeutungen politischer Vokabeln im Jahr 2021.

So interpretiert Conze, in welchem Sinne die neue „Ampel“-Regierung in ihrem Koalitionsvertrag die Vokabel „Fortschritt“ verwendet: „Fortschritt wird nicht mehr in Parametern von Industrie und Technik gemessen, sondern richtet sich auf globale menschheitliche Probleme, deren Überwindung und Lösung.“

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Rainer Volk