Nobelpreis 2021

Dmitrij Muratow bekommt den Friedensnobelpreis 2021

STAND
AUTOR/IN

Als einen Menschen mit Kämpfernatur beschreibt Alexej Wenediktow, Chefredakteur des kremlkritischen Radiosenders „Echo Moskwy“, seinen Journalistenkollegen. Dmitrij Andrejewitsch Muratow hat über Jahrzehnte die Meinungsfreiheit in Russland verteidigt – unter sich immer weiter erschwerenden Bedingungen, heißt es in der Begründung des norwegischen Nobelkomitees.

Audio herunterladen (3,3 MB | MP3)

„Nowaja Gazeta“ liefert faktenorientierten Journalismus auch bei sensiblen Themen

1993 gründete Muratow gemeinsam mit einer Gruppe von Journalisten die Zeitung „Nowaja Gazeta“ – mit einem eindeutigen Vorsatz, wie er vor einigen Jahren in einem Radiointerview erklärte:

„Wir wollten keinen Boulevard machen. Es gibt diesen Geist, dass sich Geschichten verkaufen müssen, dass der Markt alles regelt. Der Markt aber hat Preise, keine Werte. Die Leute, die sich in dieser Zeitungsredaktion versammelten, waren jung, aber gleichzeitig altmodisch. Sie haben eine gute Schule durchlaufen “

Und die mache sich in der Arbeit der „Nowaja Gazeta“ bemerkbar, sagt die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen: „Der faktenorientierte Journalismus der Zeitung und seine professionelle Integrität haben sie zu einer wichtigen Informationsquelle gemacht – auch über sensible Aspekte der russischen Gesellschaft.“

Muratow widmet den Friedensnobelpreis seinen Kolleg*innen, die im Kampf um die freie Meinungsäußerung starben

Lange schon ist die „Nowaja Gazeta“ auch außerhalb Russlands bekannt für ihre investigativen Recherchen über Korruption, Menschenrechtsverletzungen, Aktivitäten russischer Militär- und Geheimdienste sowie für ihre scharfen politischen Analysen.

Eine Arbeit, die bereits fünf Journalistinnen und Journalisten sowie ein für die Zeitung arbeitender Anwalt mit ihrem Leben bezahlt haben. Dmitrij Muratow, seit 1995 Chefredakteur der „Nowaja Gazeta“, erklärte deswegen schon kurz nach der Bekanntgabe, dass der Friedensnobelpreis nicht ihm gebühre, sondern denjenigen, die für das Recht auf freie Meinungsäußerung gestorben sind.

Er selbst habe mit der Auszeichnung überhaupt nicht gerechnet, weswegen er den Anruf aus Norwegen erstmal nicht entgegen genommen habe.

Der Kreml gratuliert und Muratow ist angespornt, weiterzumachen

Glückwünsche kamen nicht nur von zahlreichen Journalistenkollegen und von russischen Oppositionellen, sondern auch aus dem Kreml: „Wir können Dmitrij Muratow nur gratulieren“, so Putin-Sprecher Dmitrij Peskow am frühen Nachmittag.

Eine Auszeichnung, die für den Chefredakteur der „Nowaja Gazeta“ in Zukunft zu einer Art Schutzschild werden könnte, sagen Kollegen. Denn die Repressionen gegen Journalist*innen in Russland haben zuletzt stark zugenommen. 

Muratow selbst will das Preisgeld dafür nutzen, sich noch stärker für seine unterdrückten Kolleginnen und Kollegen und die Meinungsfreiheit in Russland einzusetzen.

STAND
AUTOR/IN