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Anders als in Deutschland wisse man in Ländern wie den USA oder Großbritannien einiges darüber, welche sozialen Gruppen wie von Covid-19 betroffen sind, sagt Aleksandra Lewicki, Soziologin an der Universität Sussex. Viele soziale Risikofaktoren wie beengte Wohnverhältnisse und Präsenzarbeit beträfen Migrant*innen überdurchschnittlich.

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In Deutschland fehlen bislang verlässliche Zahlen darüber, ob und inwiefern Migrant*innen stärker von der Corona-Pandemie betroffen sind — etwa, sich häufiger anstecken oder öfter als der Durchschnitt unter einem schweren Krankheitsverlauf leiden. Dazu werde in Deutschland zu wenig Forschung betrieben, so Aleksandra Lewicki.

Stärker von Risikofaktoren betroffen

Untersuchungen aus Großbritannien zeigten aber: bei Menschen in ärmeren Wohngegenden, bei Menschen, die kein Home-Office machen können oder in beengten Wohnverhältnissen leben, und bei Menschen, deren Gesundheit durch harte Arbeitsbedingungen bereits belastet ist, gebe es ein höheres Ansteckungsrisiko und oft schwere Krankheitsverläufe in der Corona-Pandemie. Das alles treffe im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich auf Migrant*innen zu, meint die Wissenschaflterin

Soziale Verhältnisse haben großen Einfluss auf die Gesundheit

Auch für Deutschland gebe es Hinweise darauf, dass die Gesundheit von Menschen mit Migrationsgeschichte häufig nicht so gut sei, so Lewicki. Migrant*innen seien zwar ursprünglich überdurchschnittlich gesund — mit längerer Verweildauer im Migrationsland nehme die gute Gesundheit jedoch häufig ab.

Dieser „Healthy Migrant Effect“ ließe sich zB gut an der Generation der sogenannten türkischen „Gastarbeiter“ sehen. Der Grund seien vor allem die Arbeitsverhältnisse, in denen Migrant*innen ihre Jobs finden, erklärt Lewicki.

Diese sozialen Faktoren würden jedoch oft nicht in den Blick genommen und stattdessen auf Erklärungen wie schlechte Sprachkenntnisse oder mangelnde Integrationswilligkeit zurückgegriffen, sagt die Soziologin.

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