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Im Auftrag von Erdogan? Mesale Tolu über den Angriff auf einen türkischen Journalisten in Berlin

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In Berlin ist am Mittwochabend der regierungskritische türkische Journalist Erk Acarer angegriffen worden. „Du wirst nicht weiterschreiben“, sollen ihm die Täter gesagt haben, so erzählt es Acarer selbst. Ein Angriff im Auftrag der türkischen Regierung? „Auch wenn ihr nach Deutschland flüchtet, wir werden euch überall finden und zum Schweigen bringen“, so laute die Botschaft, sagt die Journalistin Mesale Tolu in SWR2.

Selbst am Zufluchtsort Berlin seien schutzsuchende Türken nicht mehr völlig sicher. „Ich bin hier in meiner Heimat, aber es wird immer gefährlicher, auch für mich.“ Schuld daran seien fest verwurzelte Netzwerke in Richtung Türkei, die aufgedeckt werden müssten. „Wir wollen hier ungehindert arbeiten können, ob als Exilanten aus der Türkei oder deutschstämmige Journalisten.“

Gespräch Peter R. de Vries stirbt eine Woche nach Mordanschlag

Es sei bei de Vries gar nicht mehr nur um eine journalistische Tätigkeit gegangen, sondern es sei eine Berufung für ihn gewesen, Kriminelle konkret zu bekämpfen, sagt Christopher Resch von Reporter ohne Grenzen in SWR2 einen Tag nach dem Mordanschlag auf den niederländischen Journalisten Peter R. de Vries am 6. Juli. - Am 15.7. ist de Vries seinen Verletzungen erlegen.  mehr...

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Buchkritik Meşale Tolu - Mein Sohn bleibt bei mir

Maskierte Männer dringen in ihre Wohnung ein und verhaften die Journalistin Meşale Tolu, der zweijährige Sohn bleibt zurück. In ihrem Buch „Mein Sohn bleibt bei mir“ erzählt Meşale Tolu erstmals die ganze Geschichte.  mehr...

Gespräch Reporter ohne Grenzen listet Viktor Orbán als ,,Feind der Pressefreiheit"

Die Journalistenorganisation ,,Reporter ohne Grenzen" hat Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán als ersten EU-Regierungschef auf die Liste der ,,Feinde und Feindinnen der Pressefreiheit" gesetzt. Im Gespräch mit SWR2 bezeichnet Christian Mihr, Geschäftsführer von ,,Reporter ohne Grenzen", dies als Reaktion auf unwirksame Sanktionen gegen Orbán: ,,Da ist leider viel zu wenig passiert - und das soll ein Warnschuss sein."
Zwar sei Ungarn in punkto Pressefreiheit noch nicht am Ende. Es gebe weiterhin mutige Journalistinnen und Journalisten, die sich dem Abbau entgegen stemmen. Diese wollen man unterstützen, denn - so Mihr wörtlich: ,,Das sind oft nicht Massenmedien; die Massenmedien stehen unter der Kontrolle der Regierung."
Die Unentschlossenheit habe den ungarischen Premier in seinem Kurs nur bestärkt, kritisiert Mihr die EU und ihre Mitgliedsstaaten. Andere Regierungen in Osteuropa, zum Beispiel in Bulgarien und in Slowenien ,,inspiriere" das inzwischen, sich ähnlich zu verhalten. Allerdings sei die Entwicklung in Ungarn besonders krass. Mihr: ,,Man kann schon sagen, dass die Entwicklung in Ungarn bezüglich des Tempos und der Systematik besonders stark ist."
Das Rezept von Orbán sei es gewesen, als erstes die Regeln für die Medienkonzentration zu lockern, dann alle öffentlichrechtlichen Medien unter einer Holding zu konzentrieren. Als drittes habe man dann alle regionalen Medien in Privateigentum in einer Holding zusammengefasst - und schließlich Gesetze erlassen, die die Berichterstattung einschränken.
Auf die Frage, was man mit dem Schritt, Orbán auf die weltweite Liste der Pressefeinde zu setzen, bewirken will, sagt Mihr: ,,Reporter ohne Grenzen ist natürlich eine Organisation, die Druck aufbauen will." Es sei klar, dass der Rechtsstaatsmechanismus in der EU, mit dem Staaten bestraft werden können, nicht stark genug sei. Deshalb müsse sich die EU andere Mechanismen überlegen. Mihr schlägt vor: ,,Wir müssen schauen, wie wir Subventionen für Ungarn z.B. stärker an die Rechtsstaatlichkeit koppeln." Schließlich profitiere Ungarn sehr stark von den Subventionen der EU - für Unternehmer, die neben den Medien auch in anderen Wirtschaftsbereichen investieren, sei das schmerzhaft. Mihr gibt zu bedenken: ,,Das ein schwieriger Weg, aber es ist nicht, dass es dazu keine Vorschläge gäbe."
Christian Mihr leitet seit 2012 als Geschäftsführer "Reporter ohne Grenzen" in Deutschland. Er ist Journalist, Menschenrechtsaktivist und Experte für internationale Medienpolitik.  mehr...

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Internet Zuflucht im Darknet. Wie Journalisten der Zensur entgehen

Das Darknet gilt als die "dunkle Seite des Internets". Doch auch viele Whistleblower und Menschenrechtler nutzen die Anonymität, um unbehelligt über Missstände zu berichten.  mehr...

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