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Die bisherige Geringschätzung der Care-Arbeit habe vor allem historische Gründe, sagte die Theologin und Ethikerin Ina Praetorius in SWR2: „Wir kommen aus dem Patriarchat, das behandelt Männer und Frauen ganz unterschiedlich.“

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Während Männerarbeit als wichtig und politisch relevant gelte, würde die Care-Arbeit von Frauen als deren Natur entsprechend bewertet. Im Angesicht der Corona-Krise sehe man jetzt allerdings „die Hüllen der Ideologie“ fallen, so Praetorius. „Wir sehen jetzt ganz deutlich, was uns wirklich am Leben erhält, nämlich die Leute, die an der Basis arbeiten.“

Auf lange Sicht müsse diese Care Arbeit materiell anders bewertet werden. "Der System-Change, in der Klimadebatte ausführlich diskutiert, muss jetzt stattfinden", forderte die Ethikerin.

Unter dem Anglizismus Care-Arbeit versteht man Pflege-Arbeit. Damit sind Tätigkeiten gemeint, die anfallen beim Kümmern um andere Personen — professionell oder im privaten Rahmen: Kinderbetreuung, Altenpflege, häusliche Pflege und familiäre Unterstützung beispielsweise. Häufig wird Care-Arbeit von Frauen geleistet und ist oft unbezahlt. Im Rahmen der zweiten Frauenbewegung wurde der Begriff Care-Arbeit für diese Tätigkeiten geprägt.

Ina Praetorius ist Theologin und Ethikerin. Sie fordert seit vielen Jahren, dass Care-Arbeit ideell und materiell von der Gesellschaft anerkannt werden muss.

Gespräch Abbau von Personal und Kapazitäten rächt sich: Gesundheitssystem im Corona-Stress

„Wir hatten im vergangenen Jahr, also schon vor dem Ausbruch der Corona-Krise, die Situation, dass in Deutschland 37 % aller Krankenhäuser zeitweise ihre Intensivstation abgemeldet haben, weil sie - und zwar audrücklich - weil sie zwar Intensivbetten hatten, aber kein entsprechend geeignetes Pflegepersonal. Es klemmt vor allem beim Pflegepersonal.
Das heißt jeden Tag schon hatten wir schon unter Normalauslastungsbedienung die Situationm, dass 1/3 der Betten quasi aus der Versorgung heraus abgemeldet wurden,“ sagt Prof. Stefan Sell, Gesundheitsökonom an der Hochschule Koblenz, Campus Remagen, in SWR2 am Morgen.

In ihrem neuen Notfallplan spräche die Bundesregierung von einer Verdoppelung der Intensivpflegeplätze, was ja bedeuten würde, dass die derzeitige Anzahl nicht ausreiche.

In der Coronavirus-Krise wirkt die Gesundheitspolitik der letzten Jahre wie ein Bumerang. Auch wenn die Politik ein Aufstocken der Bettenzahl in der Intensivpflege verspricht - es fehlt das Fachpersonal, das Kranke betreut und die Geräte bedient. Bestenfalls bietet die derzeitige Situation Anlass zu fragen, ob die strategischen Entscheidungen zur Spezialisierung der Krankenhäuser und der Ausdünnung auf dem Land überdacht werden sollte.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Forum Hilflose Helfer - Wird unser Medizinsystem zum Notfall?

Es diskutieren:
Dr. med. Gunter Frank, Hausarzt
Prof. Dr. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin
Prof. Dr. Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates
Moderation: Burkhard Müller-Ullrich  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Gesprächsreihe Die Corona-Krise als Beschleuniger — welche gesellschaftlichen Folgen hat die Pandemie?

Bringt die Corona-Krise für das Klima, was die Klimadebatte nie geschafft hat? Geht jetzt die Digitalisierung schneller voran? Beschleunigt die Krise gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland? SWR2 fragt Experten, welche Folgen die Pandemie haben könnte.  mehr...

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