Gespräch

Die Taliban und ihre Macht: Zivilgesellschaft als größte Herausforderung

STAND
INTERVIEW

Audio herunterladen (5,8 MB | MP3)

Proteste auf der Straße greifen die Legitimität der Taliban-Herrschaft an

Die größte Gefahr für die eigene Herrschaft stelle aus Sicht der Taliban aktuell keine militante Partei dar; vielmehr seien es die zivilgesellschaftlichen Proteste auf der Straße, sagt der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, Direktor des Forums Islam und Naher Osten an der Universität Bern in SWR2. Grund dafür sei, dass „diese Proteste die Legitimität der Herrschaft der Taliban viel stärker angreift als ein Warlord, der in einer bestimmten Region Afghanistans Widerstand leistet oder die neue nationale Widerstandsfront, die im Pandschir-Tal aktiv gewesen ist“.

Sozialer Wandel in Afghanistan, vor allem bei den Frauen

Die Proteste seien Ergebnis eines unübersehbaren, sozialen Wandels in Afghanistan. Vor allem die Rolle der Frauen habe sich verändert durch ihre Ermächtigung in der Gesellschaft, ihre Möglichkeit, arbeiten zu gehen. „Und jetzt stehen die Taliban vor diesem Problem, dass sie diesen sozialen Wandel irgendwie in den Griff bekommen müssen, um ihre Macht absichern zu können“, so Schulze.

Nato-Einsatz hat nicht zu neuen Friedenskonzepten geführt

Das sei nur mittelbar ein Ergebnis des Nato-Einsatzes. Ansonsten hätte der Einsatz die bestehenden Konflikte im Land konserviert, weil er mit den Bedingungen operiert habe, die im Land existierten. Er habe aber nicht dazu beigetragen, dass sich neue Friedenskonzepte in der Gesellschaft hätten entwickeln können.

Gespräch 20 Jahre „War on Terror“ aus afghanischer Sicht: Kein Vertrauen, keine Lösung

20 Jahre NATO-Einsatz in Afghanistan – und die Taliban stehen kurz davor, das Land wieder vollständig zu kontrollieren. Der militärisch mageren Bilanz stellt der Journalist und Autor Emran Feroz ein mindestens ebenso ernüchterndes Fazit aus afghanischer Perspektive gegenüber.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Der Verein ZAN hilft Frauen aus Afghanistan: „Einfach reden, einfach weinen“

„Was ich im Moment aus Afghanistan höre ist erschreckend, unglaublich und menschenunwürdig“, sagt Nadia Qani-Schwarz, Vorsitzende des Vereins ZAN e.V., der sich für die Förderung afghanischer Frauen in Deutschland engagiert. Frauen und Mädchen berichteten über schlimme Misshandlungen durch die Taliban in vielen Provinzen des Landes, so Qani-Schwarz.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Film Frauen in Afghanistan: Filmemacherin Theresa Breuer über Rettungsversuche

„Ich hatte Angst, dass sich der Flughafen von Kabul, von dem ich anfangs dachte er sei der sicherste Ort, zum unsichersten Ort entwickelt“, erzählt Filmemacherin und Journalistin Theresa Breuer über ihren Versuch einer Rettungsaktion für mehrere Protagonistinnen ihres Films „An Uphill Battle“, der fünf afghanische Bergsteigerinnen porträtiert.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Kulturmedienschau Die Zukunft der Afghanischen Frauen und Armin Laschet Stolperstein | 17.8.2021

Die Lage in Afghanistan beschäftigt auch die Kulturseiten der Tageszeitungen. Nach 9/11 wurden Frauen in Afghanistan Richterinnen, Gouverneurinnen, IT-Expertinnen. Und jetzt?, fragt sich die Süddeutsche Zeitung. In den sozialen Medien sorgt die Aussage „2015 darf sich nicht wiederholen“ von CDU Kanzlerkandidat Armin Lasche für Aufregung, die taz kommentiert.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Taliban-Einmarsch gefährdet Journalismus in Afghanistan - Überrollt vom Tempo der Mudschaheddin

Der Zeitungsverlegerverband, große deutsche Medienhäuser und die Journalistenorganisation ,,Reporter ohne Grenzen" fordern Not-Visa für ihre afghanischen Mitarbeiter und deren Familien. Im Gespräch mit SWR2 berichtet die Vorstandsprecherin von Reporter ohne Grenzen, Katja Gloger, von einer ,,Gefahr, die fast minütlich größer geworden ist."
Die erfahrene Journalistin sieht insbesondere Frauen in Lebensgefahr und erklärt die Bedeutung einheimischen Mitarbeiter für westliche Medien so: ,,Unsere Arbeit westlicher Korrespondentinnen und Korrespondenten ist kaum denkbar ohne die Unterstützung mutiger Kollegen vor Ort."
Ihre Organisation erstelle zurzeit eine Liste von gut zwei Dutzend afghanischen Mitarbeitern und deren Familien, die mithilfe von Not-Visa außer Landes gebracht werden müssten, so Gloger im Interview. Wie die Regierungen im Westen sei man auch von der Schnelligkeit der Machtübernahme der Taliban überrascht worden. ,,Unsere Gespräche hatten ergeben, dass man gedacht hat, man hätte vielleicht noch ein paar Wochen Zeit", gesteht Gloger die Fehleinschätzung ein.
Zu den Bildern von der Machtübernahme, die in diesen Tagen in aller Welt gezeigt werden, äußert sich Gloger nur vorsichtig, weil man deren Herkunft nicht verifizieren könne. Es könne sein, dass die Fotos und Filmsequenzen gezielt von den Taliban gestreut würden, um bestimmte politische Stimmungen zu erreichen. Unabhängigen Journalismus in Afghnanistan erwartet Gloger auf absehbare Zeit nicht mehr. Man versuche, in Nachbarländern wie Usbekistan Ausweichmöglichkeiten für afghanische Journalistinnen und Journalisten aufzubauen. ,,Das ist im Moment das einzig Vorstellbare", so Gloger  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Afghanistan unter den Taliban: Social Media hilft bei der Unterdrückung

Anhand von Facebook-Profilen und anderen Social Media-Spuren könnten die Taliban in Afghanistan Menschen verfolgen, erklärt der Medienjournalist Christian Schiffer. Mittlerweile seien die Taliban durchaus „Internet-affin“, in Zusammenarbeit mit dem pakistanischen Geheimdienst könnte der Zugriff auf digitale Daten für Gegner des Regimes oder auch für die sogenannten Ortskräfte der westlichen Streitkräfte gefährlich werden.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Kulturmedienschau Was aus der Kunst in Afghanistan wird und wie wir ohne Worte über Tierwohl debattieren können | 19.8.2021

Fassungslos schauen wir seit Tagen nach Afghanistan, wo sich die Taliban rasant im ganzen Land ausbreitet. Und einhergehend damit stellen wir uns die Frage, was bleibt eigentlich aus den vergangen 20 Jahren. Was passiert mit den Freiheiten für Minderheiten, für die Frauen in diesem Land, aber auch mit der Kunst und Kultur, die nun ebenfalls einer Zeitenwende entgegenschauen muss.
Sowohl mit dieser Frage haben sich die Feuilletons heute auseinander gesetzt, als auch mit einem hochpolitischen und zugleich außergewöhnlich schönen Dokumentarfilm über das Tierwohl in unserer Gesellschaft, wie Christian Batzlen in unserer Kulturmedienschau weiß.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Warum die Regierungsarmee in Afghanistan kaum Widerstand gegen die Taliban leistete

Es sei keine Überraschung, dass die afghanischen Sicherheitskräfte den Taliban kaum Widerstand geleistet hätten, so der österreichisch-afghanische Autor Emran Feroz in SWR2. Während der vergangenen Jahre hätten sich viele junge Männer im Kampf für korrupte Eliten und Militärs in Kabul geopfert. Die Masse der Soldaten sei letztlich von der Regierung als "Kanonenfutter" eingesetzt worden und demoralisiert gewesen, so Feroz.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Leben & Gesellschaft „Viele befürchten das Schlimmste“: Der deutsch-afghanische Comedian Sulaiman Masomi

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan spitzt sich die Lage zu. Seit dem Abzug der US-Kräfte in der Nacht von Montag auf Dienstag, den 31. August 2021 werden keine Rettungseinsätze mehr geflogen, die Taliban haben den Flughafen von Kabul übernommen. Bei Selbstmordanschlägen vor dem Kabuler Flughafen gab es viele Tote und Verletzte. Auch Verwandte von Sulaiman Masomi, deutsch-afghanischer Rapper, Kabarettist und Schriftsteller, leben in Kabul. Krieg, Besatzung und Chaos ist dort Alltag geworden. Sulaimans Eltern flohen vor Jahrzehnten mit ihm und seinen Brüdern nach Deutschland.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
INTERVIEW