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In der Corona-Krise nimmt die Kritik an der Bürokratie in Deutschland zu. Eine „Jahrhundertreform“ wie sie der Bundestag-Fraktionschef der CDU, Ralph Brinkhaus, gefordert hat, hält die Verwaltungsexpertin Pascale Cancik von der Uni Osnabrück jedoch nicht für nötig. Viele Probleme wären durch den Personalabbau unter dem Leitbild des „schlanken Staates“ verursacht worden, so Cancik in SWR2.

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„Es geht um das Fehlen von Personal, um das Fehlen von Know-How – das sind aber politische Entscheidungen, die seit 20 bis 30 Jahren gefällt worden sind.“

Pascale Cancik, Professorin für Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaften

Die Muster der Kritik seien altbekannt, sagte Cancik im Gespräch mit SWR2. Die Verwaltung diene seit langem als „relativ vager Sündenbock“, der von Fehlern ablenke, die an anderer Stelle geschehen seien. Cancik erinnert in diesem Zusammenhang an das Leitbild vom „schlanken Staat“, das in den 1970er Jahren entstand und zu einem Abbau von Staat und zu Deregulierung geführt habe. Die Kritik an der Bürokratie sei deshalb in Teilen „paradox“: Die Verrechtlichung habe insgesamt zugenommen, verschlankte Verwaltungen seien daher nun überfordert.

Comedian Daniel-Ryan Spaulding: Deutsche sind nicht effizient

In den sozialen Netzwerken verbreitet sich zur Zeit ein Video des in Berlin lebenden Komikers Daniel-Ryan Spaulding. Der gebürtige Kanadier persifliert darin die „deutsche Art“, auf Probleme zu reagieren: Statt Probleme zu benennen und Lösung zu finden, verirrten sich Deutsche in einem Dickicht aus Wehklagen, Bürokratie und Dienst nach Vorschrift verlieren. Originaltitel des Videos: Germans Aren't Efficient!

Pascale Cancik ist Professorin für Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaften an der Universität Osnabrück.

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