DFB-Team bei der WM in Russland ausgeschieden Eine formschwache Nation

Kommentar am 28.6.2018 von Christian Gampert

Nach der blamablen Niederlage gegen Südkorea ist die deutsche Nationalmannschaft erstmals in der Vorrunde einer Fußball-WM ausgeschieden. Das DFB-Team repräsentierte eine verunsicherte, gespaltene Nation, meint Christian Gampert in seinem Kommentar.

2014: Weltmeister mit Multikulti-Touch

In guten Zeiten wurde gern die Diagnose gestellt, dass die Fußball-Nationalmannschaft ein Spiegel der bundesdeutschen Gesellschaft sei: weltoffen und multikulti, locker und tolerant, in Trikot und sogar in der Hautfarbe schwarz und weiß – und vor allem: erfolgreich.

Mit diesen Attributen und auf den Schwingen jugendlichen Übermuts wurde die DFB-Elf 2014 Weltmeister, und Angela Merkel enterte die Kabine, um sich zusammen mit leichtbekleideten Kickern ikonographisch in die Erinnerung der Nation einzuschreiben – sprich: vom Ruhm der Fußballer auch etwas abzubekommen.

2018: DFB-Team repräsentiert gespaltene Gesellschaft

Nach der Niederlage gegen die Nahkämpfer und Freistilringer aus Südkorea sieht die Lage etwas anders aus. Die Tristesse, die Einfallslosigkeit, die Verzagtheit der Mannschaft wird nur ungern mit Multikulti assoziiert.

Eher muss man das Phlegma der Mannschaft mit jener von sich selbst nicht überzeugten, in wesentlichen Fragen tief gespaltenen, an den eigenen Bedürfnissen oft gar nicht mehr interessierten deutschen Gesellschaft in Verbindung bringen, die dieses Team repräsentiert.

Spielweise wie eine politische Parole

Die Unentschlossenheit der Spieler auf dem Platz zeigt auch etwas von der Entscheidungslosigkeit der Politik. Es ist die beschwörend ins Dunkel gerufene Parole: wir müssen nur Geduld haben und lang genug hinten rum spielen, dann wird schon ein Tor fallen.

Anders gesagt: bitte gebt mir 14 Tage Zeit, dann werden wir eine europäische Lösung finden. Falls die anderen mitmachen. Die Niederlage der Nationalmannschaft zeigt, dass die Spielzeit für solche Lösungen längst abgelaufen ist.

Aussitzen, belabern und vertagen

Aber sowohl Joachim Löw wie auch Angela Merkel glauben, dass man alles aussitzen, belabern, beschwören und vertagen kann.

Joachim Löw hat immer behauptet, er habe mündige Spieler. Bei der Weltmeisterschaft kam heraus: er hat vor allem müde Spieler. Keinerlei Begeisterung im Team, von Anfang an. Kein Feuer, kein Glaube an nix.

Geschlaucht vom vielen Geldverdienen

Während andere Mannschaften ihre Nationalhymne rausbrüllen, verwerflich natürlich, flöten die korrekten deutschen Bubis: Mir werdet Weltmeisschta! Ja, okay, machet mer des au no. Schon aus historischen Gründen war man in Russland ja eher fehl am Platz.

Und man war geschlaucht von der langen Saison, dem vielen Geldverdienen. Löw setzte auf formschwache Spieler wie Thomas Müller und Wundergeheilte wie Manuel Neuer, so wie er früher auf den verletzten Schweini setzte, der ihm schon zwei Europameisterschaften vergeigt hat. Löw glaubt einfach an den Weihnachtsmann.

Abschottung nach der Erdogan-Reklame

Wie ein Alb lastete der Fehltritt der beiden Spieler Özil und Gündogan auf der Mannschaft, die für den türkischen Autokraten Erdogan Reklame gemacht hatten. Die beiden Kicker kickten schwach, und dem DFB fiel nichts anderes ein, als die intellektuell eher unflexiblen Geister abzuschotten und vor Interviews zu schützen.

Was wäre gewesen, wenn Manuel Neuer mit Alexander Gauland posiert hätte?

Es bleibt das ständige Schlürfen von Jogi Löw

Beim DFB möchte man keine Probleme, lieber nix reden. Mir habet mündige Spieler. So mündig, dass sie mit immer denselben Spielzügen immer wieder scheitern. So wie Angela Merkel mit immer denselben Sprüchen immer wieder neue Verhandlungen in Gang setzt, auf europäischer Ebene natürlich - oder global.

Ein Glücksschuss von Kroos reicht halt nicht. Und deshalb wird von dieser WM nur das ständige Schlürfen von Joachim Löw in Erinnerung bleiben - und die Sonnenbrille von Jerôme Boateng. Das ist ein bisschen wenig.

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