Gespräch

„Deutungskämpfe“ um die Geschichte beim 53. Deutschen Historikertag

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INTERVIEW

Um „Deutungskämpfe“ geht es beim 53. Deutsche Historikertag in München, mit Blick auf die Kontroversen um geschichtlich vermittelte Meinungsbilder und Geschichtsmythen. Solche „Deutungskämpfe“ dürften niemals darauf hinauslaufen , die Grundlagen historisch gesicherter Informationen in Frage zu stellen, so der Sprecher der Veranstaltung, der Münchner Althistoriker Martin Zimmermann, in SWR2.

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Althistoriker Martin Zimmermann (19. August 2000) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Relativierende Fragen zum Holocaust nicht akzeptabel

Relativierende Fragen zum Holocaust wie „sind die Dimensionen jemals richtig beurteilt worden, ist es vielleicht doch alles nicht so schlimm gewesen“, das ginge einfach nicht, so der Historiker im SWR2 Gespräch. Auch an der Verpflichtung, die Erinnerungskultur zur Zeit des Nationalsozialismus aufrechtzuerhalten, könne es keinen Zweifel geben.

Allerdings müsse geschichtliche Forschung das Bewusstsein für die Komplexität ihrer Rekonstruktionen schärfen, könne geschichtliche Wahrheit immer nur eine möglichst große Verdichtung von Plausibilitäten sein.

Auch Debatten um kulturelles Erbe und Rückgabe von Raubkunst

Auch gegenwärtige Debatten zum kulturellen Erbe sollen auf dem Historikertag diskutiert werden, beispielsweise die Rückgabe von Raubkunst. Hier, so Zimmermann, gehe es darum, nicht einfach um grundsätzliche Fragen zu streiten, „Rückgabe, ja oder nein“, sondern „neue Formen der Aufarbeitung, der Diskussion und vor allem der Kooperation mit den Herkunftsländern zu entwickeln.“

Zeitgeschichte Blamage für ein Adelshaus: Stephan Malinowskis Buch „Die Hohenzollern und die Nazis“

Das neuerschienene Buch „Die Hohenzollern und die Nazis“ von Stephan Malinowski könnte entscheidende Bedeutung erlangen im Streit um die Rückgabe von Kunstwerken, die das Haus Hohenzollern von der Bundesrepublik zurückverlangt. Malinowski ist als Historiker einer der Gutachter in dieser Auseinandersetzung. Es ist bezeichnend, dass er in seinem Buch zuallererst einem befreundeten Juristen dankt, der ihn seit Jahren gegen einstweilige Verfügungen und Unterlassungs-Klagen der Hohenzollern in Schutz nimmt. Ein Streit, der auf das alte Fürstenhaus ein schlechtes Licht wirft – gleichgültig wie die Gerichte am Ende entscheiden.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Netzkultur Historische Fakten gegen Fake News: Die Plattform GeschichtsCheck.de kämpft gegen Hass im Netz

Mithilfe historischer Fakten Fake News entkräftigen: Auf der Website GeschichtsCheck.de stellen Historikerinnen und Historiker digitale Werkzeugkästen gegen Hassrede im Netz zusammen. Der Kampf um die Wahrheit im Netz sei anstrengend aber notwenig, sagt der GeschichtsCheck-Historiker James Krull in SWR2.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Porträt Der Historiker Raul Hilberg – Pionier der Holocaust-Forschung

Raul Hilberg, 1926 in Wien geboren, war ein US-amerikanischer Historiker und Holocaustforscher. "Die Vernichtung der europäischen Juden" ist die erste systematische Beschreibung des Holocaust.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Gespräch Kritik am Humboldt Forum von SZ-Journalisten: „Die Kolonialgeschichte interessiert uns mehr, als in vieler Hinsicht die Objekte selbst."

Nach der Eröffnung des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst im Humboldt-Forum Berlin kritisiert Jörg Häntschel von der Süddeutschen Zeitung: „Das Problem dabei ist, die Kuratoren wissen nicht, was diese Objekte erzählen sollen.“  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Juristin Sophie Schönberger über Restitution: „Wir überfordern die Museen“

„Da mutet man Museen deutlich zu viel zu“, warnt die Juristin Sophie Schönberger. Nicht die Museen sollten Gerechtigkeit wiederherstellen und im Einzelfall entscheiden, ob geraubte Kulturgüter an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden. Vielmehr müsse die Politik klare Regeln vorgeben.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Außereuropäische Sammlungen des Humboldt-Forums werden eröffnet

Man habe seit zwei Jahren vier Provenienzforschungsstellen eingerichtet, sagt Prof. Lars Christian Koch, Direktor für die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum, im Gespräch mit SWR2. Und könne damit gezielt auf die aktuellen Herausforderungen im Umgang mit der Problematik Kolonialismus antworten. Es gäbe also in der Museumsarbeit eine Mischung aus zeitgenössischer Herangehensweise an die koloniale Sammlung und ihrer Aufarbeitung in der Gegenwart. Die Ergebnisse präsentiere man dann in den Ausstellungen.
Er habe keine Sorge, dass das Museum zukünftig leer sein werden, denn man arbeite sehr eng mit den Herkunftsländern zusammen und habe inzwischen auch schon eine Reihe von Objekten zurückgegeben. Auch im Zusammenhang mit den Benin-Bronzen sei man in engem Kontakt mit den Kollegen in Nigeria und auch da werde es substanzielle Rückgaben geben. „Wir werden natürlich mit den Kollegen sprechen, was muss zurück, was kann zurück und wie können wir dieses Wissen teilen," sagt Koch.
Ganz klar sei für ihn, dass in der Frage der Rückgabe nicht die Politik das Sagen habe, sondern die Herkunftskulturen über den Verbleib ihrer Objekte entscheiden müssten. „Nicht wir entscheiden, was wir zurückgeben, sondern es muss in dem Zusammenhang sein, dass wir nicht über jemanden reden, ohne sie einzubeziehen," sagt Koch.
In Berlin eröffnet Bundespräsident Frank Walter Steinmeier heute mit einem Festakt die außereuropäischen Sammlungen des Humboldt-Forums: das Ethnologischem Museum und das Museum für Asiatische Kunst.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch „Es muss eine klare Entscheidung zur Rückgabe geben“: Digitales Benin-Bronzen-Treffen mit Monika Grütters

Wegen der bevorstehenden Eröffnung des Humboldt-Forums gebe es einen gewissen Zeitdruck, die umstrittenen Benin-Bronzen zurückzugeben, sagt Jörg Häntzschel von der Süddeutschen Zeitung. Denn es sei immer schwierig gewesen, sich vorzustellen, das Forum zu eröffnen ohne irgendeine Art von offizieller Lösung dafür gefunden zu haben.  mehr...

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