Gespräch

Zum 80. Jahrestag des Massakers von Babyn Jar – der verdrängte Massenmord

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Hinter dem Narrativ von Auschwitz verschwunden

Etwa 34.000 Jüdinnen und Juden hat die SS bei den Massenmorden von Babyn Jar bei Kiew am 29. und 30. September 1941 erschossen, darunter viele Frauen und Kinder. Ein Verbrechen, das bei den Nürnberger Prozessen Erwähnung gefunden habe, in den Nachkriegsjahrzehnten in Deutschland jedoch weitgehend verdrängt worden sei, so Manfred Sapper, Chefredakteur der Zeitschrift „Osteuropa“, in SWR2. Mehr als 20 Jahre habe es gedauert, bis die Bundesrepublik dieses Verbrechen überhaupt zum Thema gemacht habe. In der DDR sei es nie dazu gekommen.

Besonders tragisch daran sei, dass diese Verbrechen hinter dem zentralen Narrativ des nationalsozialischen Vernichtungswahns, Auschwitz, verschwunden seien, meint Sapper. Auch der Opfer sei deshalb lange kaum gedacht worden. Anders als die wenigen Überlebenden der Konzentrationslager hätten sie auch keine Zeugnisse hinterlassen können, die auf das Verbrechen hingedeutet hätten.

Durch Schostakowitschs 13. Sinfonie bekannt geworden

Ohne das berühmte Gedicht von Jewgenij Jewtuschenko über Babyn Jar und seine Vertonung in der 13. Sinfonie von Dmitrij Schostakowitsch wäre dieser größte organisierte Massenmord vor Einrichtung der Vernichtungslager niemals so bekannt geworden.

Eine weitere Ursache dafür sei auch der lange gehegte Antizionismus in der Sowjetunion. Selbst heute noch gebe es in der Ukraine große Konflikte über die Frage, wie das Holocaust-Gedenken in Babyn Jar gestaltet werden solle.

Pläne für ein zentrales Gedenkzentrum seien längst überfällig, so Sapper. Auch wenn Kritiker eine „Disneysierung“ befürchteten, seien solche Konflikte als positiv zu betrachten. Letztlich seien sie Grundlage für die Aufarbeitung der Vergangenheit.

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