Computerspiele

Von Super Mario Bros. bis Metal Gear Solid: Warum Games-Musik eine unterschätzte Kunstform ist

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AUTOR/IN
Tobias Nowak

Die Computerspiel-Branche bezeichnet Games als das „Leitmedium des 21. Jahrhunderts“. Längst geht es nicht mehr nur ums Spielen, sondern zum Beispiel auch um den Sound. Der entwickelte sich im Laufe der Games-Geschichte von einfachen Bling-Geräuschen zu großen Orchestermusiken im Hollywood-Gewand.

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Erkennbare Melodien erst seit den 80ern

Am Anfang, also in den 70er Jahren, machten Computerspiele noch gar keine Musik, sondern nur Geräusche. Es dauerte bis in die 80er, dass richtige Melodien erkennbar wurden.

Die Entwicklung der Computerspielmusik war, genau wie die der Spiele selbst, eng gebunden an den Fortschritt in der Digitaltechnik. Anfangs gab es gar keine Audio-Chips. Dann kamen die ersten Prozessoren, die Klänge sysnthetisieren konnten und deshalb auch klangen wie mehr oder minder gute Synthesizer.

Ein Höhepunkt dieser Art Computerspielmusik war 1990 das lustige Piraten-Abenteurspiel „The Secret of Monkey Island“.

Bekannte Hollywood-Komponisten schrieben für Games

Wie in Filmen dient Musik auch in Games dazu, Emotionen zu unterstützen, Räume zu verorten oder sogar Personen zu zitieren, Stichwort Leitmotivtechnik. Allerdings waren die Mittel zur Erfüllung dieser wichtigen Aufgaben über lange Zeit sehr begrenzt.

Erst um die Jahrtausendwende hatte sich diese Technik so weit entwickelt, dass selbst bekannte Hollywood-Film-Komponisten begannen, sich dem Genre der Computerspielmusik zuzuwenden. Ein wichtiger Vorreiter war der bekannte Hollywood-Komponist Harry Gregson-Williams, der die Musik für „Metal Gear Solid 2“ schrieb.

Die Fixierung auf opulenten, meist digital-perkussiv unterstützten Orchesterklang, wie man ihn aus Filmen kennt, gab für über zehn Jahre die Richtung der Mainstream-Computerspielmusik vor. Die Games-Industrie wollte genau so ernst genommen werden wie Hollywood.

Die jungen Wilden wagen Experimente

Aber langsam entfernte die Games-Industrie sich von diesem „klassischen“ Sound und bot auch „jungen, wilden“ Komponisten die Gelegenheit, die Musik für Spiele zu schreiben. Der Franzosen Olivier Derivière ist einer von ihnen.

Die Musik für das dystopische Science-Fiction-Spiel „Remember Me“ spielte er zwar noch ganz traditionell mit Orchster ein, drehte ihn dann aber durch den digitalen Fleischwolf, zerschnitt, filterte die Aufnahmen und konfigurierte sie neu.

Andere Komponisten entwickeln Soundtracks, die sich durch filigrane Klänge auszeichnen, auch wenn diese immer noch von großen Orchestern eingespielt werden. Austin Wintory ist einer dieser Vertreter des „feinen Klangs“; er schrieb auch die wunderschöne Musik für das Spiel „Journey“.

In „Journey“ reist man durch eine fantastisch-bunte Wüstenwelt und erlebt eine spirituelle Geschichte ohne Worte. 

Orchestrale Musik bleibt der Goldstandard

Auch wenn Game-Soundtracks mittlerweile oft auch von kleineren Ensembles und Bands gespielt werden: Orchestrale Musik ist immer noch der Goldstandard in Computerspielen. Inzwischen hat diese orchestrale Musik auch den Weg in die großen Konzerthäuser gefunden.

Games-Musik-Konzerte mit großen Orchestern sorgen meist für ausverkaufte Häuser und ein jubelndes Pubklikum. Dabei zeigt sich, dass selbst viele uralte Melodien aus der Frühzeit des Games sich für orchestrale Arrangements eignen und vom Publikum sehr geschätzt werden. Zum Beispiel die bekannte Titelmelodie der “Super Mario Brothers”, gespielt von den Londoner Symphonikern.

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