Porträt

Der neue Regent: King Charles III.

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AUTOR/IN
Gabi Biesinger

Im Alter von 73 Jahren ist aus Thronfolger Prinz Charles von einem Augenblick auf den anderen König Charles III. geworden. In die Fußstapfen der Frau treten, die das Amt so lange Zeit, so erfolgreich ausgeübt hat, wird eine Herausforderung – für alle.

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Widerstreitende Gefühle

BBC-Königshaus-Experte Nichoals Witchell beschreibt, was in Charles gerade vorgehen dürfte – denn schließlich musste seine Mutter, Königin Elizabeth II, erst sterben, damit er ans Ziel seines Lebens kommen konnte:

 „Widerstreitende Gefühle. Da ist die große Trauer, die er in seiner Mitteilung zum Tod seiner Mutter natürlich erwähnt, aber auch der Moment, in dem er die Aufgabe übernimmt, auf die er sein Leben lang vorbereitet wurde. Er ist der Thronfolger, der am längsten in der britischen Geschichte gewartet hat, und der älteste König, der auf den Thron kommt.“  

Charles galt vielen lange als Sonderling, der mit Blumen spricht, eigentlich vielleicht lieber Schauspieler geworden wäre und darum zum „Nationalen Tag des Gedichts“ auch gerne voller Wonne seine Lieblingsverse des walisischen Dichters Dylan Thomas rezitierte.

Aus einer alten Flamme wurde die Queen Consort

Als Charles 1981 die blutjunge Lady Diana heiratete, wurde das weltweit als Märchenhochzeit gefeiert, doch die Ehe zerbrach, dramatisch, auch deshalb, weil Charles nicht von seiner alten Flamme Camilla lassen konnte.

Acht Jahre nach dem Tragischen Unfalltod seiner Ex-Frau Diana heiratete Charles Camilla, die nun auch den Titel Queen Consort trägt, was die Königin im Februar zu ihrem 70. Thronjubiläum selbst noch verfügt hatte.

Prinz Charles und Camilla Parker-Bowles (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / empics)
Durch die Hochzeit mit Prinz Charles hätte Camilla den Anspruch auf den Titel Princess of Wales gehabt. Da der Titel aber beim britischen Volk so stark mit der verstorbenen Lady Diana verbunden ist, verzichtete Camilla darauf. picture alliance / empics

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind Charles wichtig

Charles großes Engagement gilt den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Seine Bioprodukte stehen in den Regalen großer Supermarktketten. Am Rande des Weltklimagipfels COP26 in Glasgow, im vergangenen Jahr, äußerte er seine Sorge, dass die Menschheit nicht begriffen habe, wie sehr sie von der Natur abhänge und sie deshalb immer weiter ausbeute.

Für mehr als 400 Organisationen hat der Thronfolger Spenden gesammelt, seine Stiftungen für Jugendliche haben bisher hunderttausende junge Menschen auf einen stabilen Lebensweg gebracht.

King Charles III bei der Klimakonferenz in Glasgow (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Photoshot | -)
Die Welt müsse jetzt im Kampf gegen den Klimawandel vorankommen, sonst drohe eine Katastrophe, so Charles III. im Rahmen der Klimakonferenz in Glasgow. picture alliance / Photoshot | -

Aber er ließ auch Fingerspitzengefühl vermissen, indem er beispielsweise für den „Princes Trust“ Bargeldspenden annahm, was nicht unrechtmäßig aber zumindest dubios schien und ihm den Vorwurf einbrachte, er zeige mangelndes Urteilsvermögen.

William ist beliebter als Charles

Zuvor hatte es schon Korruptionsvorwürfe gegen seine „Prince’s Foundation“ gegeben. Deren damaliger Chef, der mittlerweile zurückgetreten ist, soll einem saudischen Geschäftsmann im Gegenzug für Spenden Unterstützung bei dessen Wunsch nach einem Ritterschlag und der britischen Staatsbürgerschaft zugesagt haben. Das Königshaus betonte stets, Charles habe davon nichts gewusst.

Viele Briten fragen sich nun, wie Charles seine Rolle als König interpretieren wird. Was die Beliebtheitswerte angeht, so liegt der 73jährige deutlich hinter seinem 40jährigen Sohn William.

Prinz William (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/PA Wire)
Beliebter als Prinz William selbst ist laut Umfragen seine Frau: Herzogin Catherine. picture alliance/dpa/PA Wire

Keine politische Einmischung von King Charles III.

Was auch damit zu tun haben könnte, das Charles die den Royals gebotene Zurückhaltung gerne mal ignorierte und sich kritisch äußerte – sei es über Architektur und Stadtentwicklung oder andere politische Fragen.

Berüchtigt waren in Westminster seine „Black Spider Memos“, Briefe in denen der Thronfolger in krakelig ausladender Handschrift regelmäßig Beschwerden an Politiker richtete. Doch das sei lange her und er sei sicher nicht so dumm, sich als König politisch einzumischen, erklärte Charles vor einigen Jahren in einem Interview.

Eine Herausforderung für alle

Der neue König wird in der kommenden Woche auf eine Trauerreise durch das Vereinigte Königreich aufbrechen, erst nach Schottland, in den Tagen danach nach Nordirland und dann nach Wales.

Er weiß, dass es eine Herausforderung für alle sein wird, wenn er die Fußstapfen der Frau tritt, die das Amt so lange Zeit, so erfolgreich ausgeübt hat, meint BBC-Königshausbeobachter Nicholas Witchell.

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Gabi Biesinger