Gespräch

Der letzte Strohhalm von Armin Laschet: Kaum noch Chancen auf Jamaika

STAND
INTERVIEW

Die Chancen von Armin Laschet, noch eine Jamaika-Koalition der Unionsparteien mit FDP und Grünen bilden zu können, „tendieren gegen Null“, sagt der CDU-nahe Publizist und Politologe Andreas Püttmann in SWR2.

Audio herunterladen (6,2 MB | MP3)

Nicht nur fehlten Grünen und der FDP legitim erscheinende Gründe für eine Koalition mit dem Wahlverlierer, sondern Laschet sei dafür auch in der eigenen Partei mittlerweile zu umstritten, so Püttmann mit Blick auf das erste Sondierungsgespräch von Union und FDP am Sonntag.

Laschet sei vom christlichen und liberal-sozialen Parteiflügel zum Vorsitzenden gewählt worden, habe dann aber vor allem den konservativen Flügel um Friedrich Merz umwerben müssen. Mittlerweile sitze er parteiintern zwischen allen Stühlen.

Allenfalls um politischen Druck in den Sondierungen einer möglichen Ampel-Koalition ausüben zu können, werde die FDP weitere Gespräche mit der Union führen. Zugleich sähe es nach einer „Umfallerpartei“ aus, so Püttmann, wenn die FDP von einem Moment auf den anderen umschalte.

„Ich würde das eher als Gespräche der Form halber betrachten“, so der Publizist, „nicht so sehr als Ausdruck der Überzeugung, dass man hier wirklich den Wahlverlierer mit minus neun Prozent ins Amt hieven kann – und den Wahlgewinner in die Opposition schicken. Damit würde sich die FDP auch überheben.“

Kulturmedienschau Ampel oder Jamaika? Egal, Hauptsache ein Selfie | 30.9.2021

„Auf der Suche nach einer neuen Regierung loten wir Gemeinsamkeiten und Brücken über Trennendes aus. Und finden sogar welche. Spannende Zeiten“, das steht unter einem Selfie, das die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck gemeinsam mit FDP-Generalsekretär Volker Wissing und FDP-Chef Christian Lindner am Dienstagabend auf Instagram geteilt haben. Seither wurde im Netz viel über dieses Bild eines ungleichen Quartetts gesprochen und geschrieben – heute kommen auch noch die gedruckten Zeitungen hinzu.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Bei Machtverlust droht CDU und CSU ein gefährlicher Richtungsstreit

Armin Laschet klammere sich nicht nur aus Selbstinteresse an den Parteivorsitz und die Option, noch Kanzler werden zu können. Er wisse, dass im Falle seines Scheiterns nicht nur er selbst weg vom Fenster sei, sondern der Union ein tiefgreifender Richtungsstreit drohe, sagt der Journalist und Merkel-Biograph Ralph Bollmann von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in SWR2. Bei den Auseinandersetzungen um den Parteivorsitz zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet gegen Friedrich Merz habe sich bereits gezeigt, wie tief die Partei programmatisch gespalten sei. Zusammengehalten habe sie zuletzt nur noch der Kitt der Macht. Forderungen nach einer programmatischen Erneuerung könnten dabei nicht verdecken, dass ganz unterschiedliche Dinge damit gemeint seien. Während Unionspolitiker wie der Konstanzer CDU-Abgeordnete Andreas Jung eine Politik der sozialen Marktwirtschaft um eine ökologische Ausrichtung ergänzen wollten, gelte anderen in Ostdeutschland die Partei der Grünen als linksradikal. Der Weg auf die rechtskonservative Seite jedoch sei mit Sicherheit der Weg in den Untergang der Union, so Bollmann. Angela Merkel habe viele Wählerinnen und Wähler in der Mitte der Gesellschaft gebunden, sei deshalb nicht Teil des Problems, sondern der Lösung gewesen. Auf der anderen Seite hätten auch liberale Kandidaten ihre Wahlkreise mehrfach an die Grünen verloren.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Forum Nach der Bundestagswahl – Regiert uns jetzt der Kompromiss?

Matthias Heger diskutiert mit
Bettina Gaus, Publizistin
Prof. Dr. Andreas Rödder, Historiker
Christoph Schwennicke, Politikwissenschaftler und Journalist  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Rückblick im Archivradio 20.11.2017 "Es ist besser, nicht zu regieren ..." - Jamaika-Sondierungen scheitern

20.11.2017 | Acht Wochen nach der Bundestagswahl 2017 platzen die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, den Grünen und der FDP. Die Liberalen steigen aus. Nach knapp einem Monat harter Verhandlungen ist Schluss. In der Nacht vom 19. Auf den 20. November erklärt FDP Parteichef Christian Lindner. "Es ist besser, nicht zu regieren als falsch zu regieren."
Die Bürgerinnen und Bürger wie hier in Friedrichshafen reagieren enttäuscht:
Im politischen Berlin beginnt noch Morgen des 20. Novembers 2017 die Suche nach den Schuldigen.
Im Januar 2018 nehmen SPD und CDU/CSU Sondierungsgespräche und kurz darauf Koalitionsverhandlungen auf. Am 14. März 2018 wird Angela Merkel zur Kanzlerin einer großen Koalition gewählt – rund ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl.  mehr...

STAND
INTERVIEW