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Die Verwendung von „FakeNews“ in Medien und sozialen Netzwerken sei heute wesentlich komplexer, als es dieser Begriff eigentlich erwarten lasse, so die Kommunikationswissenschaftlerin Judith Möller in SWR2. Sie fordert mehr sprachliche und inhaltliche Präzision.

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Es gebe zwei Möglichkeiten der falschen Information: Erstens, dass eigentlich korrekte Informationen, zum Beispiel über leere Intensivstationen in Krankenhäusern, zur Rechtfertigung falscher Behauptungen genützt würden, zum Beispiel, dass es keine Corona-Pandemie gebe oder ähnliche Fehlinformationen.

Falscher Zusammenhang oder ganz erfunden?

Eine echte Falschinformation wiederum sei die von Trumps Anwalt Rudy Giuliani lancierte Geschichte um angeblich geleakte Emails von Hunter Biden, Sohn von Trumps Gegenkandidat: „falsche Fakten im falschen Zusammenhang“, so Möller.

Die aus dem korrekten Zusammenhang gerissenen Informationen verbreiteten sich außerdem leichter als die komplett erfundenen, weil sie als glaubwürdiger empfunden würden, so Möller. Sie spreche deshalb inzwischen lieber von „Desinformation“ anstelle von „FakeNews“, die sich nicht zuletzt dank Donald Trump zu einer Art „Kampfbegriff“ entwickelt hätten. Trump bezeichnet regelmäßig etablierte Medien wie CNN als „FakeNews“.

Die zerstörerischen Auswirkungen der Desinformation

Auch in ihren Auswirkungen unterscheiden sich diese Arten der Desinformation: Während die ganz falsche Information oftmals verheerende Konsequenzen für Einzelpersonen haben könne – beim Trinken von Bleiche gegen Corona, etwa –, zerstöre die aus dem Zusammenhang gerissene Informationen vor allem die Fähigkeit der Gesellschaft sich zu einigen. Soziale Medien hätten das Problem, dass über sie die Desinformation beständig wiederholt werden könne und damit auch Menschen beeinflusse, die sich der Unwahrheit der Aussage bewusst seien.

Möller lehrt an der Uni Amsterdam und hat den kommunikationswissenschaftlichen Teil eines Gutachtens für die Landesmedienanstalten verfasst, das auf den Münchner Medientagen vorgestellt wird. Die Medientage finden 2020 digital vom 24. - 30. Oktober statt.

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