Gesellschaft

Der digitalisierte Studentenkarzer in Heidelberg

STAND
AUTOR/IN
Eberhard Reuß

Der Heidelberger Studentenkarzer ist ein Relikt aus fernen Zeiten. Lauter junge Herren, die über die Stränge schlugen und dann in das studentische Gefängnis einfuhren. Zu ziemlich lockerer Haft. Nun wird der denkmalgeschützte Studentenkarzer in Bälde saniert. Und deshalb sind alle, mehr als 2.000 Malereien, Bilder und Graffitis an Decken und Wänden des historischen Karzers der Universität Heidelberg digitalisiert worden. Für künftige kostenlose Online-Rundgänge.

Audio herunterladen (3,9 MB | MP3)

Über drei Jahre lang lief die Digitalisierung des Karzers

Ein Rundgang im Studentenkarzer der Universität Heidelberg. An den Wänden haben sich Generationen von Studenten mit ihren Selbstporträts verewigt. Die Delikte, die den sanges- und trinkfreudigen Akademikern ein paar Tage Haft im Studentenkarzer bescherten, beschreibt der Historiker Kristian Willenbacher

1914 wurde der Heidelberger Studentenkarzer geschlossen. Blieb aber bis heute als museale Touristenattraktion erhalten. Nun steht jedoch die Sanierung an. Die Bestandsaufnahme an den Wänden ist bereits erfolgt. Über drei Jahre lange haben Studierende des Seminars für Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg alle vorhandenen Bilder abfotografiert und digital aufbereitet. Jetzt steht alles online.

Studentenkarzer Heidelberg (Foto: SWR, Eberhard Reuß)
Farben zur Wandbemalung gab es im Studentenkarzer nicht: Da musste auch gekautes Brot als Bilderrahmen herhalten. Eberhard Reuß

Die Selfies der Generation um 1900

Ein digitaler Rundgang durch sechs Arrestzellen. In Raum 207, an der Westwand 15d, hat sich Franz Schandelmaier namentlich verewigt. Anno 1914 der letzte Student in Karzer-Haft. Wegen Urinierens in der Öffentlichkeit. Andere Insassen haben an den Wänden dichterische Spuren hinterlassen.

Doch das Schönste und Wichtigste im Heidelberger Studentenkarzer sind die Zeichnungen und Bilder. Die „Selfies“ der Generation „Student um 1900“. Gemalt mit Farbe, Ofenruß und Essensresten. Denn die Bilderrahmen für Fotos fertigten die Studenten aus zerkautem Brot. Reichlich Bier floss auch. Denn im Karzer war der Konsum von Alkohol in unbegrenzter Menge erlaubt.

Zeitwort 23.10.1385: Die Universität Heidelberg erhält ihr Gründungsprivileg

Papst Urban VI. genehmigte die Errichtung der Universität Heidelberg. Der Lehrbetrieb begann vor über 600 Jahren mit den Fächern Theologie, Jurisprudenz und Philosophie

SWR2 Zeitwort SWR2

STAND
AUTOR/IN
Eberhard Reuß