Deportation nach Frankreich Gefangen in Gurs 

In allen Städten und Dörfern in Baden, der Pfalz und dem Saarland geschah am Morgen des 22. Oktober 1940 das Gleiche: Polizisten und Gestapoleute erschienen an den Wohnungstüren der jüdischen Bevölkerung und forderten die Menschen auf, innerhalb kürzester Zeit ihre Koffer zu packen. Wohin die Reise gehen sollte, blieb völlig unklar. 50 kg Gepäck und nicht mehr als 100 Reichsmark pro Person durften mitgenommen werden. Überlegtes Packen war da nicht möglich. Die Juden wurden zu Sammelstellen gebracht und dann begann eine dreitägige Zugfahrt ins Ungewisse – wie sich später herausstellen sollte nach Gurs, einem Internierungslager in Vichy-Frankreich.

Das Internierungslager Gurs in den Pyrenäen, Aquarell von Harry Choyke-Berkefeld (Foto: Robert Westheimer -)
Das Internierungslager Gurs, Aquarell von Harry Choyke-Berkefeld Robert Westheimer -

Die "Hölle von Gurs"

Dort herrschten besonders für ältere Leute und Kinder fürchterliche Bedingungen. Für viele wurde die "Hölle von Gurs" eine Zwischenstation auf dem Weg nach Auschwitz und andere Lager im Osten. Etwa 6540 Menschen wurden an diesem Tag deportiert. Nach sieben Jahren Nazidiktatur, in denen sie gedemütigt, entrechtet und ausgeraubt worden waren, verloren sie nun fast all ihr Hab und Gut und jegliche Rückzugsmöglichkeit in die eigenen vier Wände.

Ausplünderung

Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt, Möbel und Hausrat in den Wochen und Monaten nach der Ausweisung versteigert. Kommentar des Historikers Peter Steinbach zu diesem Geschehen: "Die Deportation (..) ist bedeutsam, weil sie sichtbar macht, dass die Vertreibung und Beraubung deutscher Juden gesellschaftlich so weitgehend akzeptiert schien, dass Nachfragen aus der Bevölkerung nicht nur ausblieben, sondern ein offensichtliches Interesse an der Übernahme des Besitzes der Vertriebenen vorhanden war, das sich als Zustimmung deuten ließ. Der Staat war schon lange zum Räuber geworden. In den Wochen nach der Deportation wurden viele Deutsche zu Hehlern."

Von Angelika Schindler //

"Als Kind liebte ich Züge"

Dauer

In einem Gedicht schildert Kurt Salomon Maier wie er als Kind (2. von rechts) die Deportation aus Kippenheim nach Gurs erlebte.

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