Gesellschaft

Debatte um Partyhit „Layla“ – Zu viel Aufregung um Sex und Saufen

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AUTOR/IN
Bernd Lechler

Sogar der Bundesjustizminister, Marco Buschmann (FDP) sah sich veranlasst, in der Debatte um Aufführverbote des Party-Hits „Layla“ einzugreifen. „Eins zu viel“ sei das, so Buschmann auf Twitter. SWR2-Musikexperte Bernd Lechler findet das Lied von DJ Robin und Schürze „wirklich extrem doof und geschmacklos“.

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Die Stadt Würzburg macht von ihrem Hausrecht Gebrauch

„Doof oder geschmacklos“ dürfe man Schlagertexte finden, twitterte Marco Buschmann, sie „behördlich“ zu verbieten sei aber „eins zuviel“. Irgendwie hat er schon recht, wobei das Stichwort „behördlich“ etwas hinterhältig Zensur suggeriert, während die Stadt Würzburg ja hier eher als Veranstalter des Kiliani-Volksfests von ihrem Hausrecht Gebrauch macht, und zwar eben als sensibilisierter Veranstalter.

In Würzburg hatte man letztes Jahr schon das „Donaulied“ aus dem Bierzeltverkehr gezogen, in dem ziemlich eindeutig sexuelle Gewalt verharmlost wird, und sich daher auch für die Zukunft gegen „jede Art von rassistischem, sexistischem oder extremem Liedgut“ positio­niert.

Das Stilprinzip des Doofen und Geschmacklosen

Der neue Hit ist wirklich extrem doof und geschmacklos und durchaus sexistisch, wobei jeder Gangstarapper, der was auf sich hält, in einem Vers mehr toxische Männlichkeit versprüht als „Layla“ in Dauerschleife. Da unterhalten sich im Text zwei Typen denkbar schlicht gereimt über eine Prostituierte, die „Layla“ heißt, weil sich das auf „geiler“ reimt). Aber der Plot ist letztlich so egal wie bei anderen Ballermann-Hits, die Titel haben wie „Saufi Saufi“ oder „Unten kommt die Gurke rein“ und ähnlich sinnfrei einfach um Reizwörter herum­gebaut sind, die stets mit Alkohol oder Sex zu tun haben.

Das Zielpublikum? Vermutlich Männer, wie die, von denen gerade wieder aus Palma berichtet wird – die vormittags um zehn im Hotel einchecken und um 14 Uhr nicht mehr stehen können. Und ihre Frauen. Auch „Layla“ folgt diesem Stilprinzip des Doofen und Geschmacklosen, und zwar clever: Die Produzenten des Songs kommentierten gelassen, so ein Hit-Refrain müsse entweder zur Identifikation einladen oder: polarisieren.

Erst durch das Verbot wurde der Song schlagzeilentauglich

Das haben sie erfolgreich hingekriegt; auch insofern, als ihr Lied erst durch das Verbot so richtig schlagzeilentauglich wurde und auch für Ballermann-Verächter unterhaltsam – wenn etwa eine Würzburger Kneipenwirtin im Interview sagt, sie höre da einen Text über eine beruflich erfolgreiche Frau, von daher sei „Layla“ sogar feministisch!

Oder wenn die „ZDF Heute Show“ über das Verbot twittert, so ein Volksfest sei schließlich eine seriöse Veranstaltung – und kein Treffen der Jungen Union: Auf einem solchen war der umstrittene Stimmungshit nämlich auch gelaufen.

Immerhin: Es ergab sich eine Diskussion über Alltagssexismus

Falls also „Layla“ auch die nächsten Wochen auf Platz eins der Charts bleibt, verdanken seine Macher dies nicht zuletzt den Mahnern aus Würzburg und Düsseldorf. Immerhin hat sich daraus einmal mehr eine Diskussion über den oftmals übersehenen alltäglichen Sexismus entwickelt, und das kann nie schaden.

Mal sehen, wie die Geschichte demnächst auf dem Oktoberfest weitergeht, wenn das Bierzelt etwa zu „Skandal um Rosi“ bebt, die ja auch eine beruflich erfolgreiche Frau war. Dass sich allerdings der deutsche Justizminister zur geilen „Layla“ einschaltet – das ist dann doch „eins zuviel“.

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