Debakel um Zeichen für Vielfalt

WM in Katar: Debatte um Manuel Neuers One-Love-Binde

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Eva Marburg

Die Debatte um das Debakel mit der One-Love-Binde, die Kapitän Manuel Neuer als Zeichen für Vielfalt erst tragen wollte und es dann aber wegen Androhungen einer Strafe von der FIFA doch nicht tat, nimmt kein Ende. Die Drag-Queen Olivia Jones fordert Neuer in einer Petition dazu auf, die Binde jetzt erst recht noch zu tragen. Viele werfen der Debatte aber auch Scheinheiligkeit vor.

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Prominente melden sich zu Wort

Der arme Manuel Neuer, könnte man meinen. So viel Last ruht derzeit auf seinen Schultern – oder auf seinem Arm. Am 22. November organisierte die Drag-Queen Olivia Jones eine Online-Petition, in der sie den Torhüter dazu aufrief, die Regenbogen-Binde nun doch noch zu tragen.

Unter dem Motto und dem Titel: „Eier Zeigen, Regenbogen tragen!“ heißt es in der Petition: „Mit der Regenbogen-Binde würden Du und die Mannschaft Geschichte schreiben – für die Menschenrechte, die Rechte queerer Menschen. Kohle aufm Konto ist ja ganz schön. Aber: ein Stück Unsterblichkeit ist unbezahlbar!“. Um die 4.000 Unterschriften hatte die Petition in der Nacht verzeichnet.  

Auch Prominente melden sich auf Social Media unter dem Hashtag #OneLoveBinde zu Wort.  

Die Gleichzeitigkeit von dem Anschlag auf den #QClub in #ColoradoSprings und die eilige Bereitschaft vom @DFB , selbst das kleinste Zeichen gegen Homo- und Transfeindlichkeit fallenzulassen, sobald es was kostet - was glaubt ihr eigentlich, was das mit einem macht?

Eine scheinheilige Debatte?

Andere wiederum finden die Debatte scheinhelig. In der Süddeutschen Zeitung bemerkt heute die Autorin Nele Pollatschek mit ihrem typischen Scharfsinn, die WM sei eine „Rechtfertigungsweltmeisterschaft“. Mit dem Streit um die Binde würde eine Moral zelebriert, die einem erlaubt, das zu tun, worauf man sowieso Lust hatte. 

„Man hat sich dazu entschieden – die FIFA, der DFB, das Fernsehen, die Werbeträger und die Spieler –, an einer WM teilzunehmen, für die in einem brütend heißen Wüstenstaat vollklimatisierte Stadien gebaut werden, von Lohnzwangsarbeitern, die unter menschenverachtenden und vielfach tödlichen Bedingungen gearbeitet haben, in einem Land, in dem Homosexuellen tatsächlich die Todesstrafe droht, in dem Frauen gefoltert werden. Man hat sich dafür entschieden, weil einem Fußball und Geld wichtiger sind als moralische Fragen. Und dann möchte man mit „One Love“-Binden auflaufen?“  

Das Urteil der SZ lautet: „An dieser Stelle muss auch der unzynischste Beobachter zugeben, dass es bei den Regenbogenbinden natürlich nicht um Moral, Solidarität und Menschenrechte geht – sonst wäre man ja nicht in Katar –, sondern um Werbedeals. Darum, in einem Milliardengeschäft noch den letzten Cent mitzunehmen.“

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