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Vertrauen, dass der Staat den Betroffenen aus der Patsche hilft

In der Corona-Krise unterscheiden wir nicht mehr genügend zwischen „Risiko“ und „Gefahr“, meint der Soziologe Dirk Baecker zur Frage, weshalb 40.000 Deutsche in der Pandemie einen Urlaub auf Mallorca gebucht haben.

„Das ist eine Art Wette“, meint Becker im Gespräch mit SWR2 - nämlich, dass der Staat den Betroffenen im Zweifelsfall doch aus der Patsche helfe. Zwar unterscheide man seit Gründung des Wohlfahrtsstaats unter Bismarck zwischen Risiken und Gefahren. So sei bereits die Berufswahl ein Risiko, das jedes Individuum eingehe; der Staat schütze lediglich vor der Gefahr der Arbeitslosigkeit.

Diffuse Gefährdungslage durch das Virus

Doch, so Baecker, „diese feine Austarierung geht in der Corona-Pandemie auseinander“. Die Deutschen sähen nicht mehr ein, dass das Virus eine Notwendigkeit darstelle, die sich in den Alltag hineingepflanzt habe. Dass das Bewusstsein dafür fehle, liege in der noch zu geringen statistischen Evidenz: „Wir müssten es besser wissen, doch das ist so eine unklare Gefährdungssituation, dass es auf eine Präferenz für eine Illusion hinausläuft“.

Politiker sollten warnen und lieber eine harte Entscheidung treffen

Baecker gibt zu: „In der Situation der Politiker möchte ich nicht sein“. Er plädiert dafür, wesentlich offener und deutlicher zu kommunizieren: „Das heißt, die Warnungen auszusprechen und lieber eine harte Entscheidung zu treffen“. Was derzeit stattfinde, sei ein „merkwürdiger Tanz“, mit dem sich die Politik um ihre Glaubwürdigkeit bringe.

Prof. Dirk Baecker hat bei dem Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann promoviert und sich auch habilitiert. Er hat an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen gelehrt und hat seit 2015 den Lehrstuhl für Kulturtheorie und Management an der privaten Universität Witten-Herdecke.

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