Gespräch

Debatte über eine Verbesserung der Katastrophenvorsorge – „Wir müssen besser werden mit unseren Warnungen“

STAND
INTERVIEW

Vor einer Sitzung des Innenausschusses im Bundestag zur Katastrophenvorsorge mahnt der Experte Prof. Lothar Schrott, die Mittelgebirge stärker in den Blick zu nehmen.

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Das Augenmerk lag bislang auf Küsten- und Hochwasserschutz

Im Gespräch mit SWR2 führt Schrott an, dass bei Starkregen die steileren Hänge dort und Windeffekte zu größeren Schäden führen können als bisher angenommen. „Diese Räume reagieren sensibler auf Veränderungen, sie sind verletzlicher“, so Schrott wörtlich. Allerdings sei das Wissen über die besonderen Probleme in Mittelgebirgslandschaften nicht sehr verbreitet.

„Die Verletzlichkeit ist im Detail vielen nicht bekannt“, gibt der Professor für Geomorphologie und Leiter eines Studiengangs „Katastrophenvorsorge“ zu bedenken, vor allem, was die Auswirkungen von Katastrophen auf kritische Infrastruktur wie Strom- und Wasserleitungen angeht.

Bei der Katastrophenvorsorge sei das Augenmerk von Politik und Öffentlichkeit bisher stark auf den Küstenschutz und den Hochwasserschutz an großen Flüssen gerichtet. Das habe zwar Gründe, so Schrott, doch hätten die Regenfluten im Südwesten gezeigt, das kleine Flüsse wie die Ahr eine Abflussdynamik entwickeln können, die einem alpinen Wildbach gleichkomme.

Die Warnungen müssen besser werden

Beim Katastrophenschutz sieht Schrott Nachbesserungsbedarf: „Wir müssen besser werden mit unseren Warnungen“, mahnt er. Der Schlüssel dafür sei Bildung, die bereits in den Kindergärten und Schulen anfangen müsse. „In den Schulen muss man kommunizieren, dass zum Beispiel die Ahr bereits in der Historie katastrophale Hochwässer hatte – und dass das im Bereich des Möglichen ist, gerade unter den heutigen Bedingungen“, fordert Schrott.

Länder wie Japan und Neuseeland seien gute Beispiele. Dort werde regelmäßig geübt, sodass zum Beispiel jeder wisse, wo es in der Nachbarschaft Wasservorräte gibt.

Prof. Lothar Schrott ist Geomorphologe. Er leitet den Masterstudiengang „Katastrophenvorsorge“ an der Uni Bonn und ist Vorstandsmitglied im Deutschen Komitee Katastrophenvorsorge DKKV.

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