Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica Die Datenhelfer von Donald Trump

Interview am 21.3.2018 mit Politikwissenschaftler Martin Thunert

Das Online-Netzwerk Facebook gerät immer stärker unter Druck. Die Firma Cambridge Analytica soll im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern für gezielte Wahlwerbung ausgewertet haben. Der Politikwissenschaftler Martin Thunert vom Heidelberg-Center for American Studies hält es für möglich, dass Untersuchungen über mögliche Manipulationen US-Präsident Trump jetzt entlasten.

Die Rolle von Cambridge Analytica

War es nicht die Wahlkampagne von Donald Trump, die Informationen für die schmutzige Wahlkampfhilfe russischer Agenten zur Verfügung gestellt hat, sondern das Datenunternehmen Cambridge Analytica? Aus Sicht des Politikwissenschaftlers Martin Thunert könnte sich der Fokus der Untersuchungen darüber verschieben.

Entlastung für Donald Trump?

Trump könne dabei möglicherweise entlastet werden, so der Politikwissenschaftler. Aufgrund der Aktivitäten von Cambridge Analytica könnten russische Influencer auch ohne Mitwissen oder Betreiben der Wahlkampagne von Donald Trump in den Besitz brisanter Daten gelangt sein.

Umstrittene Rolle der Datenauswerter

Wie weit der Einfluss von Datenauswerter wie Cambridge Analytica reiche, sei ohnehin, so Martin Thunert, wissenschaftlich umstritten. "Sie glauben, dass computerbasierte Persönlichkeitsbeurteilungen, die auf einer großen Menge von Daten beruhen, verlässlicher und akkurater sind, um Wählerprofile zu erstellen - wie der Wähler tickt - als Urteile von Psychologen oder Werbefachleuten, die man gewöhnlich bei Wahlkampagnen herangezogen hat."

Psychologische Kriegführung als Wahlkampfmittel

Um an die identifizierten Wähler heranzukommen, würden dann auch "Gerüchte gestreut, Falschinformationen, Desinformationen", so Martin Thunert. "Es wird psychologische Kriegführung betrieben. Das ist der manchmal graduelle und manchmal auch fundamentale Unterschied zu gewöhnlichen Wahlkampfberatern." Zugleich habe das sogenannte "negative campaigning" in den USA eine längere Tradition und habe sich auch in der Werbung bereits etabliert.

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