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„Dass Deutschland Israels Hilfe ablehnte, ist nicht mehr nachvollziehbar“ – 50 Jahre nach dem Olympia-Attentat

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Wim Hüffer

50 Jahre nach dem Olympia-Attentat in München, bei dem palästinensische Terroristen elf jüdische Sportler ermordeten, erzählt eine ARD-Doku das Geschehen von damals neu, will es aber nicht korrigieren. „Eine Korrektur kann nur zwischen den Angehörigen der Opfer und den deutschen Behörden stattfinden“, sagt Doku-Regisseur Bence Máté, „Man muss sich das vorstellen, was für ein Eingriff in das Leben dieser Menschen der Anschlag war.“ Die Angehörigen warten nach 50 Jahren immer noch auf Antworten auf offene Fragen und eine Geste der Bundesregierung.

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Dass die Spiele nicht abgebrochen wurden, halten heute manche Angehörige für richtig

Damals als besondere Gespürlosigkeit gebrandmarkt wurde auch die Entscheidung, die Spiele nach einem Gedenktag fortzuführen. „Ich habe mit der Schwimmerin Schlomit Mirtu aus unserem Film gesprochen. Sie hatte es damals sehr mitgenommen, zu sehen, wie die Athleten am nächsten Tag einfach weitertrainierten. Heute hat sie ihre Meinung geändert und sagt man darf den Terroristen den Erfolg der kompletten Sabotage einer solchen Veranstaltung nicht überlassen.“

Geschichte Die Olympischen Spiele 1972 – Münchens Sommertragödie

München wollte 27 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein neues Deutschland präsentieren – heiter und offen. Doch die Terroranschläge machten aus dem Sportfest eine Tragödie.  mehr...

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Deutschland war auf den Anschlag völlig unvorbereitet

Dass der Anschlag in dieser Form möglich war, habe laut Máté auch an dem Image gelegen, dass Deutschland sich nach der Nazizeit habe geben wollen: „Viele Polizisten auf dem Olympiagelände waren nicht einmal bewaffnet.“

Und auch bei der missglückten Befreiungsaktion hatte man nicht die richtigen Leute gehabt: „Das waren normale Schützen, keine ausgebildeten Scharfschützen. Dass Deutschland das Hilfsangebot der israelischen Regierung, die israelischen Spezialkräfte einzusetzen, abgelehnt hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.“

Die Doku „Tod und Spiele“ in der ARD Mediathek:

Forum Das Trauma von München – 50 Jahre nach dem Olympiaattentat

Claus Heinrich diskutiert mit
Bence Máté, Regisseur "Tod und Spiele - München '72"
Uwe Ritzer, SZ-Journalist und Buchautor, München
Michael Sontheimer, Journalist, Berlin  mehr...

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Ittai Joseph Tamari verlässt mit seinem Vater am 5. September 1972 München, als Eberhard mit seinem Vater anreist. Ein Treffen 50 Jahre nach dem Terroranschlag. Von Eberhard Reuß  mehr...

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Buchkritik Was geschah wirklich vor 50 Jahren? Ein neues Licht auf Olympia München 1972

Vor 50 Jahren, am 5. September 1972 ermordeten palästinensische Terroristen 11 Israelis bei den Olympischen Spielen in München - Spiele, die eigentlich ein heiteres und weltoffenes Deutschland präsentieren sollten. Mehrere Neuerscheinungen blicken jetzt zurück und versuchen zu rekonstruieren, was damals wirklich geschah.
Rezension von Eberhard Reuß.
Roman Deininger, Uwe Ritzer - Die Spiele des Jahrhunderts
dtv, 528 Seiten, 25 Euro
ISBN 978-3-423-28303-8
Markus Brauckmann, Gregor Schöllgen - München 72. Ein deutscher Sommer
DVA, 368 Seiten, 25 Euro
ISBN 978-3-421-04875-2
Sven Felix Kellerhoff - Anschlag auf Olympia. Was 1972 in München wirklich geschah
wbg, 240 Seiten, 25 Euro
ISBN 978-3-8062-4420-5  mehr...

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