Gespräch

Das Kernkraftwerk von Saporischschja und das Trauma von Tschernobyl

STAND
INTERVIEW
Frauke Oppenberg

„Wir können im Grunde davon reden, dass die russischen Besatzer das Atomkraftwerk als Schutzschild und als Geisel verwenden“, sagt die Technikhistorikerin Anna Wendland bei SWR2. Die Expertin hat zur Reaktorsicherheit in der Ukraine habilitiert und kennt daher die Lage und Ausstattung sehr gut.

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Das größte Atomkraftwerk Europas im Süden der Ukraine war in den vergangenen Tagen mehrfach mit Raketen beschossen worden. Dabei wurden Teile der Anlage beschädigt, ein Reaktor musste abgeschaltet werden.

Russland und die Ukraine schieben sich dafür gegenseitig die Verantwortung zu. „Wir haben ziemlich viele Belege, dass die russische Armee aus der Nähe des Atomkraftwerkes die ukrainische Seite beschießt. Und sie tun das, weil sie wissen, es kommt keine Antwort, weil die Ukrainer nicht auf die Anlage in Saporischschja schießen“, erklärt Wendland die Grundkonstellation. „Dabei kam es auch zu Treffern des Standortzwischenlagers für abgebrannte Brennelemente und das ist natürlich besorgniserregend“, meint die Expertin.

Bisher habe es aber noch keinen gezielten Beschuss der Reaktoren geben, sondern Wendland vermutet hinter den Treffen sogenannte Blindgänger.

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Frauke Oppenberg