Gespräch

Berliner Stadtschloss – Skandal um Spender vom rechten Rand

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Philine Sauvageot

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„Rund ein Dutzend Personen auf der Spenderliste des Berliner Schlosses sind problematisch, weil die Abgrenzung zum Rechtsradikalismus fehlt“, sagt der Architekturkritiker Philipp Oswalt.

Nachdem bereits das Spender-Medaillon von Ehrhardt Bödecker wegen antisemitischer Äußerungen abgehängt worden war, werden weitere Spender aus der alten und neuen rechten Szene bekannt. Es gehe darum, deutsche Identität neu zu definieren, kritische Geschichtsreflexion zu beenden und das Preußentum positiv zu denken, meint der ehemalige Leiter der Bauhaus Stiftung Dessau in SWR2.

Spenden-Medaillon für "Erhardt u. Anneliese Bödecker", das an einer Ecke des Humboldt Forums angebracht war und mittlerweile entfernt wurde. (Der Vorname Bödeckers ist hier falsch geschrieben , er schreibt sich Ehrhardt Bödecker.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Paul Zinken)
Spenden-Medaillon für "Erhardt u. Anneliese Bödecker", das an einer Ecke des Humboldt Forums angebracht war und mittlerweile entfernt wurde. (Der Vorname Bödeckers ist hier falsch geschrieben , er schreibt sich Ehrhardt Bödecker. picture alliance/dpa | Paul Zinken

„Sicherlich kann man das ganze Projekt nicht darauf reduzieren, es gibt viele Menschen, die aus integren Gründen gespendet haben“, so Oswalt, „aber es gibt maßgebliche Organe wie die rechtsgerichtete Wochenzeitschrift "die Junge Freiheit, die immer wieder sehr programmatisch zum Wiederaufbau äußern“.

Wie die 3sat Kulturzeit vom 8.12.2021 berichtet (Minuten 13:12 – 19:57), kommen Spender auch aus dem Umkreis des AfD-nahen „Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten“, zu dem auch der Stuttgarter Mediziner Karl-Klaus Dittel gehört.

Philipp Oswalt hat die Initiative „Schlossdebatte“ ins Leben gerufen, die sich kritisch mit Wiederaufbau des Berliner Schlosses auseinendersetzt. in seinem Aufsatz vom 9.12.2021 nennt er weiter Spender und äußert sich kritisch zur Spendenpraxis des Fördervereins Berliner Schloss.

Kulturmedienschau 23.11. Der rechtsradikale Bankier Erhardt Bödecker hat über eine Million für den Schlossneubau gespendet

Diener des Volks heißt die Serie, mit der der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskji berühmt geworden ist: in der Serie spielt er einen Geschichtslehrer, der plötzlich Präsident wird. So ähnlich ist es Selenskji als Komiker ergangen.
Und: Ende Oktober wurde bekannt, dass das Humboldtforum Berlin auch mit Spendengeldern eines rechtsradikalen Juristen und Bankiers finanziert wurde: Erhardt Bödecker. Der hat mit seiner Frau über eine Million für den Schlossneubau gespendet – dafür wurde das Ehepaar ein einer Reihe mit anderen Großspendern mit einem Reliefmedaillon geehrt.
Das Reliefmedaillon wurde mittlerweile entfernt und die Stiftung hat zugesichert, sich alle namentlich bekannten Spender, die mehr als 100 000 Euro gegeben haben, näher anzuschauen. Jetzt spricht Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt-Forums, über die Angelegenheit.  mehr...

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