Netzkultur

Zocken für den Umweltschutz? Klimakrise und Gaming

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AUTOR/IN
Tobias Nowak

Die größten Herausforderungen unserer Zeit sind ohne Frage Klimawandel und Umweltverschmutzung. Deshalb widmet sich auch die Kultur zunehmend diesem Thema. Neben Literatur und Film stellen auch digitale Spiele Fragen dazu, öffnen Denkräume und schlagen neue Verhaltensweisen vor. Gleichzeitig ist Gaming an sich aber ökologisch höchst problematisch. Tobias Nowak beschreibt, wie Games und Umwelt zusammenhängen.

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Nur ein paar Windräder setzen und Brunnen bohren?

Eine wüste, leere Landschaft, grau-vertrockneter, aufgesprungener Boden, ein paar Tannengerippe: Offenbar haben die Menschen hier eine gründlich zerstörte Umwelt hinterlassen. Aber wenn ich – ganz simpel per Mausklick – eine Windturbine zur Stromgewinnung aufstelle und dazu noch ein paar Entgiftungsanlagen, verfärbt der Boden sich gleich zu einem saftigen Braun. Jetzt noch eine Bewässerungsanlage und schon sprießt frisches Grün. Im Indie-Spiel „Terra Nil“ geht es darum, die zugrunde gerichtete Umwelt wieder „herzurichten“.

Realität nicht so einfach wie im Game

„Da habe ich ein bisschen die Sorge, dass das Gefühl von Machbarkeit, was da erzeugt wird – 'Du musst nur diese und jene Maßnahme setzen, dann wird wieder alles gut' –, dass das nicht unbedingt dazu beiträgt, dass man die tatsächliche Situation realistisch einschätzt“, fürchtet Claudia Paganini, Professorin für Medienethik an der Hochschule für Philosophie in München. Sie erforscht, wie sich Computer- und Videospiele mit Klimawandel und Umweltschutz auseinandersetzen.

Mit Spielen das Umweltbewußtsein steigern zu wollen ist naheliegend, denn Games sind erwiesenermaßen unübertroffen darin, die Spielenden einzubinden, emotional zu fesseln, da sie als Handelnde die Geschichte mitgestalten. Eines der rührendsten Beispiele dafür ist „Endling“.

„Endling“ Trailer

Dort müssen wir die letzte Füchsin der Erde und ihre vier Jungen durch grausam verschmutzte und verwüstete Gegenden führen und versuchen, ihr Überleben zu sichern: Wunderschöne Melancholie, verbunden mit einem dringlichen Appell, unsere Umwelt zu schützen.

Riesiger CO2-Fußabdruck der Branche

Nicht nur kleine Indie-Titel, sondern auch die „großen“ Namen, AAA-Spiele wie „Civilization“ oder „Die Sims“ haben sich der Themen Umwelt- und Klimaschutz inzwischen angenommen. So versuchen manche Spiele also einerseits ein kritisches Bewusstesein für Klimawandel und Umweltverschmutzung herzustellen.

Auf der anderen Seite ist der „Carbon Footprint“ der Spielbranche, also ihre Kohlendioxid-Emissionen, gigantisch: Computerspiele sind wahre Umweltsünden. Schon 2015 verbrauchten Gaming PCs – etwa 2,5 Prozent aller Computer weltweit – 20 Prozent des global für PCs benötigten Stroms. Dazu kommen noch Videospielkonsolen. Bei Cloud-Gaming sieht die Bilanz noch schlimmer aus, ganz zu schweigen von den Ressourcen, die beispielsweise für die Herstellung von Gaming Hardware verbraucht werden.

Chancen für eine bessere Zukunft

Eine intakte Umwelt, eine gesunde Biosphäre als Wert an sich darzustellen, versuchen die meisten Games noch gar nicht. Ein weiteres Problem der Spiele, die eine Sensibilität für Umweltschutz herstellen wollen, ist häufig das Gameplay.

Denn ein adrenalingeladenes Feuergefecht wird immer spannender sein, als zum Beispiel Plastikmüll zu sammeln. Medienehtikerin Claudia Paganini ist aber zuversichtlich, dass sich dieses Problem lösen lässt: „Computerspiele-Entwickler sind ja sehr kreativ. Wenn man da mehr drauf achten würde, dann würde denen schon was einfallen.“

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