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Die Corona-Pandemie sei nicht der Grund, dass die Situation von Geflüchteten weniger Aufmerksamkeit finde als in den Vorjahren, sagt der Migrationsexperte Jochen Oltmer in SWR2. Vielmehr sei die Zahl der Migrantinnen und Migranten durch Grenzsperrungen und Mobilitätsbeschränkungen weiter gesunken. Die Not der Menschen in Lagern wie Lipa in Bosnien oder Moria auf der griechischen Insel Lesbos zeige hingegen, dass Europa weiterhin keine koordinierte Migrationspolitik habe.

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„Wir sehen immer wieder, das ist keine Politik, die auf längere Sicht funktioniert", sagt Oltmer in SWR2. Das Jahr 2020 habe in einem Punkt allerdings zu einem Umschlagen der Debatte geführt - nämlich über Lebensbedingungen von Arbeitsmigranten, zum Beispiel in der Fleischindustrie und in der Landwirtschaft.

„Hier kann man sagen, dass Corona eine neue Sicht auf ein Problem zutage gebracht hat, das seit vielen Jahren existiert." Insgesamt aber glaubt Oltmer nicht, dass die Pandemie die Migrationspolitik positiv beeinflusst hat. Seine Bilanz: „Ich befürchte, dass sich die EU-Staaten in der Vorstellung sonnen werden, dass ihre Politik ein Erfolg gewesen ist."

Prof. Jochen Oltmer lehrt Migrationsgeschichte an der Universität Osnabrück.

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