Literatur

Commissario Brunetti und Venedigträume: Donna Leon wird 80

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AUTOR/IN
Kristine Harthauer

Die Fälle von Commissario Brunetti füllen in schöner Regelmäßigkeit das Abendprogramm im deutschen Fernsehen. Dabei wäre es fatal, die Verfilmungen von Donna Leons Krimireihe mit den Büchern gleichzusetzen, finden viele Leon-Fans. Heute wird die Bestseller-Autorin 80 Jahre alt und die Kulturseiten der Tageszeitungen gratulieren.

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Umbringen ja - aber wenn, dann mit Worten

Mancher Erfolg kommt aus den schrägsten Ideen, so auch bei den Krimis von Donna Leon, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt: „Als ein Freund von Donna Leon sich bei einem Opernabend in Venedig über den Dirigenten ereifert habe - in etwa so: „Der ist so schlecht, ich sollte ihn umbringen“ - da habe Donna Leon beruhigend gesagt: „Lass mich das machen, aber mit Worten.“

Aus diesem Gespräch, so erzählte die Schriftstellerin später, sei die Idee für ihren ersten Kriminalroman „Venezianisches Finale“ entstanden. Da liegt eine Leiche im Teatro La Fenice, und ein Commissario namens Brunetti geht zum ersten Mal auf Mördersuche.

Donna Leon mit Martina Gedeck und Meret Becker bei der Verleihung des B.Z. Kulturpreises 2018. (Foto: IMAGO, Eventpress)
Für ihre Romane erhielt Donna Leon zahlreiche Preise, unter anderem 2018 den B.Z. Kulturpreis. Eventpress

Bei Commissario Brunetti findet sich das Drama auf der Straße, nicht zu Hause

Leons Ermittlerfigur ist eine der wenigen im Krimi-Genre, die sich weder durch dysfunktionale Beziehungen noch durch depressive Gemütsverstimmungen hervortut. Brunetti liebt seine Familie […], zu Hause gibt es keine Probleme, dafür genug davon, sobald der Kommissar vor seine Haustür tritt und durch die kleinen Gassen Venedigs streift.

Diese Mischung kam beim amerikanischen Publikum, für das die 1942 in New Jersey geborene Autorin zunächst schrieb, nicht sonderlich gut an. In den USA floppte Brunettis erster Fall. Leon vermutete, dass der Ermittler diesem Publikum „zu intellektuell“ sei – ein hartes Urteil über ihre ehemalige Heimat, die sie schon mit 23 Jahren verließ.“

Erfolgreich in Europa, aber unbekannt in Italien

Anfang der 80er Jahre ließ sich Donna Leon nach einem Literaturstudium und Lehrtätigkeiten in London, der Schweiz, Iran, China und Saudi-Arabien schließlich in Venedig nieder, „die Liebe zu dieser Stadt liest man aus jeder Zeile ihrer Kriminalromane“, so die FAZ und vermutet:  „Vielleicht traf genau das den Nerv des deutschsprachigen Publikums, denn als der Diogenes-Verlag die Rechte an „Venezianisches Finale“ erwarb und das Buch 1993 herausbrachte, verkauften sich schnell mehr als 200 000 Exemplare.“

Nur in Italien blieb Brunetti unbekannt, da Leon sich weigerte, einer Übersetzung zuzustimmen. Sie wolle in ihrer Wahlheimat weiterhin wohnen, ohne sofort erkannt zu werden. Auch habe sie Angst, dass die Themen, die ihre Romane behandeln, den Italienern missfallen könnten“, so die FAZ.

Donna Leon mit ihren Romanen in einer Buchhandlung. (Foto: IMAGO, SKATA)
Commissario Brunettis Fälle sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt - aber nicht auf Italienisch. Sie wolle in Italien nicht sofort erkannt werden, so Leon SKATA

Deutsche Brunetti-Verfilmungen: Zu wenig Espresso, zu viel Latte Macchiato

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt, dadurch dass jedes von Donna Leons Büchern zumindest indirekt eine politische Botschaft transportiert oder sich gesellschaftlichen Missständen widmet, werde ihr der Stoff nie ausgehen. Andererseits, bliebe dadurch das Ende immer häufiger offen, weil die wirklichen Schuldigen nicht zu fassen sind.

Dass die deutschen Verfilmungen ihrer Krimis vor einiger Zeit eingestellt wurden, ist für sie eher eine Erleichterung, weil sie damit nie glücklich war: Zu viel wurde an den Plots geändert, zu oft wurde Überflüssiges hinzugefügt und die Espresso-Schwärze des Originals zu gesüßtem Latte Macchiato verdünnt.

Da der Autorin mit der Vertragsbindung jeder Einfluss auf die Fernsehfassungen entzogen wird, ließ sich das nicht abwenden – und damit auch nicht die Tatsache, dass Donna Leons Werk vielfach eher nach den Filmen als nach den Büchern beurteilt wird, was einigermaßen irreführend sein kann, so die SZ.

Donna Leon selbst wohnt übrigens nicht mehr in Venedig: Sie meidet die Touristenmassen und lebt nun in einem kleinen Dorf in den Schweizer Bergen. Heute wird die Autorin 80 Jahre alt.

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