Unser künftig Brot (2/10)

Die Psychologie der Ernährung

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Gesund, ökologisch, tiergerecht - alle Vorsätze taugen nichts, wenn man eingefleischte Essgewohnheiten nicht überwindet. Verbote helfen hier nicht.

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Chips zum Fernsehen

Der Griff zur Schokolade, die Entscheidung für veganes Essen, die Freude am Grillen - oder die obligatorischen Chips beim Fernsehen: Unsere Psyche beeinflusst unser Ernährungsverhalten und umgekehrt. Es herrscht eine dauerhafte Wechselwirkung zwischen Essen und Emotionen. Stress, Angst, Lust und Freude spielen eine starke Rolle. Nur wer die eigenen Veranlagungen und Prägungen erkennt, kann sich sinnvoll und kompetent ernähren - mit Genuss und gesundheitlichem Gewinn für sich selbst.

Einige setzen Verboten und Lifestyle-Bewegungen daher inzwischen andere Appelle entgegen: "Einfach mal lecker machen" - "Gemüse schmecken lernen" - "Food literacy: achtsam essen, Genuss trainieren" - "Iss mit Gefühl". Unsere Psyche beeinflusst unser Ernährungsverhalten und umgekehrt. Nur wer die eigenen Veranlagungen und Prägungen erkennt, kann sich sinnvoll und kompetent ernähren.

Frau isst Kekse (Foto: imago images, Imago  - Robijn Page)
Die Psyche beeinflusst unser Essverhalten. Die Prägung auf zuckerhaltige Produkte ist nicht leicht zu überwinden. Imago - Robijn Page

Eine Frage der Psychologie: Woher kommt die Lust auf Süßes?

Es gibt Gründe, warum wir Lust auf manchen Leckerbissen haben, ihn gleich bereuen – und trotzdem wieder zugreifen. Wir sind quasi unschuldig – denn die Süßpräferenz ist angeboren.

Die Lust auf Essen ist bei vielen Menschen ähnlich, doch gehen sie unterschiedlich damit um. Manche zwingen sich zu verzichten. Andere schaffen es nicht. Die Orientierung am Süßen, die sogenannte Süßappetenz.

Sie ist mit mehreren Vorteilen verbunden: Sie erhöht die Bereitschaft des Säuglings, die süß schmeckende Muttermilch zu trinken. Später dann versprechen reife Früchte oder anderes Süßes schnelle Energie, da sie Zucker und damit Kalorien enthalten.
Außerdem ist süß schmeckende Nahrung in der Regel bekömmlich. Allerdings ist der Gesamt-Zucker-Anteil in unserer Nahrung ist inzwischen zu hoch.

Der Belohnungs-Effekt

Nahrung gibt Kraft und Schutz, sie mindert Ängste und sichert für eine Weile das Überleben. Das erfahren bereits Säuglinge, und dieses Verlangen und das Erleben von Essen als Belohnung ist auch bei Erwachsenen in den Hirnvorgängen sichtbar.

Baby trinkt Muttermilch (Foto: SWR, picture alliance / dpa - Patrick Pleul)
Die Lust auf Süßs ist schon beim Baby angelegt picture alliance / dpa - Patrick Pleul

Der Belohnungs-Effekt des Essens kann allerdings eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Neuere Forschungen zeigen auch, dass im Limbischen System nicht nur Emotionen verarbeitet werden. Es spielt auch für das Lernen und die Erinnerung eine große Rolle.

Verlangen nach Belohnung

Aber wie soll man den Zuckerinhalt letztendlich reduzieren? Die Nahrung ganz umstellen auf Zuckerfreies? Es gehe eher darum, „die Muster des persönlichen Ernährungsstils zu verstehen“, sagt die Ernährungspsychologin Katja Kröller.

Bei Süßigkeiten wird besonders deutlich: Essen ist eine relativ einfache Art, die Lust- und Belohnungssysteme des Gehirns zu aktivieren.

Das Verspeisen und auch schon der Anblick einer leckeren Speise, also die Erwartung eines angenehmen Ereignisses, kurbeln unter anderem das Limbische System des Gehirns an und setzen den Nervenbotenstoff Dopamin frei.

Diese Aktivierung ist mit dem erlebten Verlangen verbunden. „Das Stück Schokolade, was ich mir nach einem anstrengenden Tag gönne, ist ja etwas Positives. Das ist zwar nährstofftechnisch vielleicht nicht optimal. Aber es ist psychologisch was, was mir jetzt gut tut und was ich genießen kann.“

Psychologie der Essgewohnheiten

Wenn man aber automatisiert die ganze Tafel isst, weil man das eben schon immer so macht, dann ist es etwas, was niemandem mehr etwas Gutes bringt und einfach zur Gewohnheit wird. Wir verlieren uns dann häufig zwischen Belohnung und Verzicht. Wir genießen und bereuen dann zugleich.

Es gibt jedoch auch hartnäckige Fallen im Wechselspiel von Essen und Emotionen. So kann es auch sein, dass wir gelernt haben, dass vor dem Fernseher immer genascht und geknabbert wird.

Dass eben zum richtigen Entspannen etwas Süßes gehört. Oder im Erwachsenenalter: ein kaltes Bier. Diese Verknüpfungen werden zu Gewohnheiten. Dies wieder zu entkoppeln, ist später sehr schwierig.

Mädels trinken Bier auf einem Fest (Foto: SWR, SWR -)
Auf dem Oktoberfest gehört Biertrinken zu einem wichtigen Ritual SWR -

Entwöhnung von der Gewohnheit

"Wie bekomme ich die Verknüpfung: Ich seh den Fernseher – mein Körper kriegt Lust auf Kekse, aus dem Kopf? Da hilft es nur, sich zum Nichtstun zu zwingen", sagt Katja Kröller. Fernseher an. Keine Kekse.

Denn eigentlich gehe es ja in dem Moment nicht um die Freude des Essens, sondern um etwas, was Freude bereiten könnte. Fällt die Keks-Belohnung dann weg, könnte als Ersatz für dieses positive Gefühl vielleicht die Belohnung mit einem neuen Kleidungsstück dienen. Und wenn zehnmal verzichtet wurde, dann passt das neue Kleidungsstück schließlich auch.

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