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Reichen mehr Fakten oder Faktenchecks, um populistische Lügen zu entlarven und deren Anhängerinnen und Anhängern die Augen zu öffnen? Das sei ein Irrglaube, ist die Autorin und Internet-Expertin Katharina Nocun überzeugt. Mit Blick auf Donald Trump und seine Behauptungen, die Präsidentschaftswahl in den USA sei manipuliert worden, müsse man davon ausgehen, „dass ein Teil seiner Anhänger genau weiß, dass er lügt“, so Nocun in SWR2.

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Solidaritätseffekt bei Trump-Anhängern

Audio-Ausschnitte von Trumps Anruf bei dem obersten Wahlbeauftragten des Bundesstaats Georgia zeigten deutlich, dass Trump selbst versucht habe, den Ausgang der Wahl zu beeinflussen, meint Nocun. „Man kann davon ausgehen, dass es in einer Situation, in der Menschen das Gefühl haben ,Meine politische Gruppe wird angegriffen‘, eine Art Solidaritätseffekt gibt.“

Die Autorin und Internet-Expertin Katharina Nocun (Foto: Imago, Sven Simon)
Die Autorin und Internet-Expertin Katharina Nocun Imago Sven Simon

Lügen, um sich gegen die große Verschwörung zu wehren

Entsprechende Untersuchungen aus der Polizeiarbeit zu sogenannten „blue lies“ - Lügen aus einer Art Solidarität - ließen sich auch auf politische Auseinandersetzungen übertragen. Insbesondere in einer aufgeheizten Stimmung seien Anhänger eines Politikers möglicherweise bereit, dessen Falschbehauptungen schon aus Solidarität zu übernehmen.

„Wenn man beispielsweise das rechtsextreme Narrativ von einem großen Kulturkrieg glaubt, wenn man glaubt, es gebe eine große Verschwörung, dann geht man vielleicht auch so weit zu sagen: ,Dann ist es auch ok zu lügen, weil wir uns gegen die große Verschwörung wehren müssen‘.“

Faktenchecker kämen da oft gar nicht mehr hinterher, weil schneller neue Falschbehauptungen auftauchten, als sich durch Recherchen widerlegen ließen.

Die Autorin Katharina Nocun befasst sich mit politischen Prozessen und ihrer Vermittlung im Internet. Erschienen ist von ihr 2020 das Buch "Fake Facts. Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen"

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