Kulturmedienschau

Bild-Chef Julian Reichelt muss gehen – Wie das „System Reichelt“ fallen konnte | 19.10.2021

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„Vögeln, fördern, feuern“, das war das System Julian Reichelt. Vorerst. Denn gestern Abend, am 18. Oktober 2021, hat Medienkonzern Axel Springer den „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Begründung: Er habe Privates und Berufliches nicht klar getrennt.

Auslöser für Reichelts Rauswurf dürfte ein Artikel in der New-York Times sein: Darin wird besonders das Regime von „Bild“-Chef Julian Reichelt offen gelegt. Und dann gibt es noch den Artikel, der erst nicht veröffentlicht werden durfte und dann doch erschien. Zwei Artikel und der „Bild“-Chef Julian Reichelt, der jetzt gehen muss.

Julian #Reichelt wurde gefeuert. Oder wie die #BILD sagen würde: +++Weil er zu geil war: Sex-Monster rausgeschmissen! +++

Medien Journalist Martin Kaul zur Einflussnahme von Verlegern im Fall Julian Reichelt: „Die Pressefreiheit muss verteidigt werden“

„Nicht die Rückendeckung vom Verleger zu haben, ist das Schlimmste, was passieren kann“, sagt WDR- Investigativ-Journalist Martin Kaul im Interview mit SWR2. „Bei Lokalredaktionen wissen wir, dass die Pressfreiheit in ganz kleinen Fällen oft viel schwieriger für Journalistinnen und Journalisten zu verteidigen ist, wenn es z.B. um den Bürgermeister oder den lokalen Bau-Matador geht“, mahnt er weiter. Pressefreiheit müsse verteidigt werden, auch oft im Inneren eines Medienunternehmen, so Kaul, der auch Vorstandsmitglied bei Reporter ohne Grenzen ist.
Die Debatte wurde losgetreten durch einen Artikel in der New York Times vom 17. Oktober über den mutmaßlichen Machtmissbrauch von Bild-Chef Julian Reichelt. Im Zuge dessen war bekannt geworden, dass Verleger Dirk Ippen, dem in Deutschland unter anderem das ehemalige Buzzfeed-Team (jetzt: Ippen Investigativ) gehört, der Redaktion untersagt hatte, eine Recherche zu diesem Thema zu veröffentlichen. Die beteiligten Journalist*innen hatten sich über diesen Eingriff beschwert. Teile der Recherche wurden nun beim „Spiegel“ veröffentlicht.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Kulturmedienschau Vorwürfe gegen Bild-Chef Reichelt | 9.3.2021

Haruki Murakami, japanischer Star-Autor und seit langem Literaturnobelpreishoffnung, hat jetzt T-Shirts entworfen: Das ist ein Thema auf den Kulturseiten der Zeitungen und im Netz. Und es geht um Julian Reichelt, den Chefredakteur der Bild-Zeitung. Der sieht sich gerade mit einer Compliance-Untersuchung im eigenen Haus konfrontiert: Die Vorwürfe sollen wiederholtes Fehlverhalten gegenüber Frauen betreffen.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch „Wie die BILD nach unten tritt“: Bildblog-Chef Moritz Tschermak über die aggressive Boulevard-Strategie

Nach der eher liberalen Phase unter Chefredakteur Kai Diekmann setze die Bild-Zeitung unter Julian Reichelt wieder verstärkt auf Krawall, sagt Moritz Tschermak, Chefredakteur des BILDblog, in SWR2. Gemeinsam mit einem Vorgänger Mats Schönauer hat er das Buch „Ohne Rücksicht auf Verluste“ veröffentlicht.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Nackte Wahrheiten mit Feigenblatt: Die Serie „BILD.Macht.Deutschland?“ bei Amazon Prime

Erstmals durfte ein Filmteam umfassend den Redaktionsalltag bei der BILD-Zeitung dokumentieren. Entstanden ist daraus die Serie „BILD.Macht.Deutschland?“ für das Streaming-Portal „Amazon Prime“. Ein Format, das durchaus neue Einblicke in den Alltag der umstrittenen Boulevard-Zeitung biete, so Moritz Tschermak in SWR2, Leiter des BILDblogs, der fehlerhafte BILD-Geschichten nachrecherchiert und richtigstellt. Gezeigt würden beispielsweise Redaktionskonferenzen, in denen es auch kritisch werde. „Da gibt es Widerworte in der Konferenz, Kritik an nicht funktionierenden Abläufen, Kritik auch direkt am Führungsstil von Chefredakteur Julian Reichelt“, so der Leiter des BILDblogs. Bemerkenswert seien Szenen, wie Reichelt und Kollegen von Horst Seehofer direkt ins Bundesinnenministerium bestellt würden und auf diese Weise exklusiv über eine Razzia gegen die Hisbollah in Deutschland berichten könnten. Etwas erschreckend sei das für ihn gewesen, so Tschermak, dass Seehofer die BILD hier offensichtlich als geeigneten Medienpartner betrachtet habe. Auch andere Teile der Serie blieben fragwürdig, zum Beispiel der angeblich offene Umgang der BILD mit eigenen Fehlern. Hier würden letztlich nur Ungeschicklichkeiten, etwa Schreibfehler behandelt, journalistisch fragwürdige Berichte der BILD wie beispielsweise die Kampagne gegen den Virologen Christian Drosten dagegen nicht.  mehr...

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