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Bedingungslose Finanzspritze: IWF stockt zur Pandemiebekämpfung Sonderziehungsrechte auf

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„Die Sonderziehungsrechte helfen, aber sie helfen in einer sehr indirekten Art und Weise", sagt Prof. Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle.

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Durch Sonderziehungsrechte kann man keinen Impfstoff kaufen

Die Schwellen- und Entwicklungsländer stünden dadurch mit erhöhten Geldreserven international besser da, könnten besser importieren und der Finanzmarkt wäre eher bereit, ihnen Geld zu leihen. Aber direkt könnte man für diese Sonderziehungsrechte keinen Impfstoff kaufen.

Der IWF versucht ja zusätzlich zu steuern, dass gerade ärmere Länder von diesen Maßnahmen profitieren. Deutschland habe aber selber schon gesagt, dass sie ihre zugewiesenen Gelder nicht abtreten wollten. „Da muss man mal sehen, ob da wirklich irgendetwas passiert. Sinnvoll wäre es vielleicht tatsächlich schon“, meint Gropp. Erklären könne er sich diese deutsche Absage nicht, aber vielleicht sei da auch noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Die Erhöhung ist erstmalig in der Geschichte des IWF

Auch Afghanistan profitiere als Mitglied des IWF von dieser Erhöhung der Sonderziehungsrechte mit circa 400 Millionen Dollar, das entspräche den 0.07%, die das Land am Gesamttopf des IWF habe. Und tatsächlich erhöhe das auch die Handlungsfähigkeit der Taliban, denn diese Sonderziehungsrechte seien nicht an Bedingungen geknüpft. „Wenn sie sonst einen Kredit aufnehmen vom IWF, ist das immer an Bedingungen geknüpft, das Land muss bestimmte Regeln einhalten, die Wirtschaft reformieren. Während diese SDRs gerade für Länder interessant sind, weil sie eben nicht an Bedingungen geknüpft sind“, so Gropp.

Heute ist der Stichtag für eine erhebliche Erhöhung der Liquidität vieler Staaten auf der Welt, nämlich der 190 Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds, IWF. Sie erhalten sogenannte Sonderziehungsrechte von 650 Milliarden Dollar. Das ist eine Art Anspruch der Staaten, Währungen anderer IWF-Mitglieder verwenden zu können, also diese Sonderziehungsrechte umtauschen zu können in vor allem natürlich Dollar, Euro oder Yen. Eine solche Erhöhung der Liquidität hat es in der Geschichte des IWF noch nie gegeben.

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