Modeschöpfer Hubert de Givenchy Er machte Audrey Hepburn zur Stilikone

Dinge des Lebens von Petra Haubner

Ohne Hubert de Givenchy wäre Audrey Hepburn nicht zur Stilikone geworden. Am Erfolg seines Pariser Modehauses hatte Audrey Hepburn wiederum großen Anteil. Ihre Freundschaft kreierte seltene Eleganz.

Die andere Hepburn

"Es saß alles perfekt", sagte Hubert de Givenchy über die erste Anprobe der jungen Audrey Hepburn in seinem Pariser Atelier. Eine "Miss Hepburn" war ihm irgendwann in den 1950ern angekündigt worden, und er dachte wohl, dass die große Katherine Hepburn bei ihm zu Gast sein würde.

Das erste Kleid besiegelte die lebenslange Freundschaft

Ganz wohlerzogener Aristokrat, der er war, empfing er Audrey Hepburn genauso formvollendet, wie er es bei dem eigentlich erwarteten Superstar getan hätte.

Filmplakat "Frühstück bei Tiffany" (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa)
Filmplakat "Frühstück bei Tiffany" picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa

Givenchy schneiderte ihr die Kleider für den Film "Sabrina". Ab diesem Zeitpunkt bezeichnete die Hepburn ihn als ihren persönlichen Schneider, eine lebenslange Freundschaft begann. Er war bei ihren Hochzeiten dabei, kannte ihre Kinder und besuchte sie sogar am Sterbebett. Die Karrieren der beiden wären ohne einander wohl nicht denkbar gewesen. Sie war seine Muse und das perfekte Werbeplakat. Er war der Mann hinter ihrem unnachahmlichen Stil.

Weltstar Dank "Frühstück bei Tiffany"

Wir sind in New York. Es ist noch früh am Morgen. Die Strassen sind menschenleer. Ein Taxi fährt vor und hält vor dem Schaufenster von Tiffany's in der Fifth Avenue. Eine grazile junge Frau steigt aus – hochaufgetürmter Dutt, schlichte Perlenkette um den Hals, überdimensionale Sonnenbrille vor den Augen. Sie trägt ein schwarzes knielanges Kleid, zieht Gebäck aus einer Papiertüte und nippt gedankenverloren an ihrem Kaffee, während sie das Schaufenster betrachtet.

Audrey Hepburn wird Stilikone

Diese Szene im Film "Frühstück bei Tiffany" und dieses Kleid machten Audrey Hepburn 1961 über Nacht zur Stilikone, und auch den Modezaren, der es entworfen hatte: Hubert de Givenchy. Das Kleid punktete mit schlichter Eleganz. Keine Opulenz, keine Rüschen, kein Chi Chi. Es repräsentierte den Stil dieses Mannes wie kein anderes Kleidungsstück zuvor oder danach.

Audrey Hepburn (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa)
Audrey Hepburn 1961 picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa

"In der Haute Couture arbeiten wir wie Schönheitschirurgen...", sagte er einmal. "Wir tilgen Unvollkommenheiten und verfeinern die Silhouette."

Sehnsucht nach Glamour

Schlicht schmiegte sich das kleine Schwarze an Audrey Hepburn und unterstrich damit ihre Zerbrechlichkeit. Givenchy brachte mit diesem Kleid das Thema des Films auf den Punkt: Die Sehnsucht nach Glamour und die emotionale Widersprüchlichkeit der Hauptfigur "Holly Gollightly".

Ein Aristokrat auf Abwegen

Keine zehn Jahre zuvor hat Givenchy im Alter von 24 Jahren sein eigenes Atelier in Paris gegründet. Gegen den Widerstand seiner adeligen Familie entschied er sich, sein Leben der Mode zu widmen. Geboren wurde er 1927 als Sohn des Marquis de Givenchy, Direktor der berühmten Gobelins-Manufaktur in Beauvais. Vielleicht hat dies sein Gespür für Stoffe gefördert. Givenchys Herkunft beeinflusste zeitlebens seine Designs: vornehm, zurückhaltend, zeitlos und elegant. Er galt als Meister der klaren Linien.

Der Modeschöpfer als Vordenker

Seine Sicht auf die Mode und die Frauen passte perfekt zu der eleganten und grazilen Audrey. Er sah sich vielmehr als eine Art Bildhauer, der die Stoffe so um die Körper der Frauen meißeln wollte, dass ihre Persönlichkeit strahlen konnte. Vielleicht war Audrey Hepburn auch deswegen seine große Muse und enge Freundin. Sie verkörperte die perfekte Frau für seinen unnachahmlichen Stil. Givenchy war ein Künstler und Vordenker.

Mode für alle

Als einer der ersten brachte er auch eine Konfektionskollektion heraus für die breite Masse. Er entwarf noch vor allen anderen auch Männerkollektionen und brachte Ende der 1950ern ein erstes Parfum heraus: 'L’interdit' hieß der Duft. Er widmete ihn – wie könnte es anders sein – Audrey Hepburn. Sie war wie ein roter Faden, der sich immer wieder durch das Haus Givenchy zog.

Jacky Kennedy, Grace Kelly und Liz Taylor

Givenchy kleidete Stars wie Grace Kelly und Elisabeth Taylor ein. Er machte mit seiner Mode sogar Politik. Amerikas First Lady Jacky Kennedy trug ebenfalls seine Kreationen. Ihr viel besprochener und vielfach nachgeahmter Stil war nicht unerheblich am Erfolg des smarten John F. Kennedy beteiligt und damit irgendwie auch Hubert de Givenchy.

Jacky Kennedy trug sogar zur Beerdigung von John F. Kennedy ein dafür extra von Givenchy angefertigtes Kleid. So prägte er über die Jahrzehnte seines Schaffens die Filmwelt, die Modewelt und irgendwie auch die Frauenwelt. Hubert de Givenchy zog sich Mitte der 1990er aus dem Modegeschäft zurück und widmete sich der Gärtnerei.

Abkehr vom Modezirkus

Zur Mode hatte er zuletzt nicht mehr viel zu sagen. Sie entsprach überhaupt nicht seinem ästhetischen Empfinden. So war eine der letzten Aussagen, die er öffentlich zu seinem Lebensthema Mode machte, ziemlich vernichtend für die aktuelle Modewelt: "Diese Kreationen kann man doch nicht anziehen, die sind lächerlich, ausschließlich für die Presse entworfen. Nicht für Frauen aus dem wirklichen Leben."

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