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Im Jahr 2021 feiert die Bundesrepublik Deutschland das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Aus diesem Anlass soll nicht nur gegen das Wiedererstarken des Antisemitismus gekämpft, sondern vor allem auch auf die vielfältigen Lebensrealitäten der Jüdinnen und Juden in Deutschland geblickt werden.

Die Eröffnungsfeier zur Woche der Brüderlichkeit

Wie jedes Jahr im März wurde mit einem Festakt die „Woche der Brüderlichkeit“ eröffnet, die sich der Verständigung zwischen Christen und Juden widmet. Der Festakt fand dieses Jahr in der Liederhalle Stuttgart ohne Publikum statt und wurde im SWR Fernsehen live übertragen.

Video des Gottesdiensts:

Auszeichnung für Oberammergau-Spielleiter Christian Stückl

Teil des Festakts war die festliche Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille, mit der Personen, Institutionen oder Initiativen ausgezeichnet werden, die sich insbesondere um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. In diesem Jahr ging die Medaille an den Theatermacher Christian Stückl, dem Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele.

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Als erstes erwähnt der römische Kaiser Konstantin die jüdische Gemeinde von Köln in einem Edikt im Jahr 321 nach der Zeitrechnung: Dies gilt als frühester schriftlicher Beleg von jüdischem Leben nördlich der Alpen in Europa.

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Jüdische Menschen in Deutschland

Seit fast zwei Jahrtausenden tragen also jüdische Menschen bedeutend zum politischen und gesellschaftlichen Leben in Deutschland und Europa bei: Karl Marx, Joseph Süß Oppenheimer, Heinrich Heine, Rosa Luxemburg, Walther Rathenau, Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel, Hannah Arendt, Theodor W. Adorno, Anna Seghers, Else Lasker-Schüler und Ernst Bloch sind nur einige von ihnen.

Forum Mehr als Klezmer und koscher — 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Doris Maull diskutiert mit
Andrei Kovacs, 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e. V.
Anna Starolselski, Präsidentin Jüdische Studierendenunion Deutschland
Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Vom antijüdischen Pogrom bis zum Holocaust

Gleichzeitig war das Verhältnis zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Menschen in Deutschland lange Jahrhunderte hauptsächlich von Gewalt, Pogromen und Diskriminierung geprägt. Trauriger Höhepunkt in dieser Geschichte sind die schrecklichen Verbrechen an den europäischen Jüdinnen und Juden während der Nazi-Zeit.

Trotz Auschwitz Jüdisches Leben in Deutschland nach 1945

Die Befreiung von Auschwitz bedeutete Neubeginn und Wiederaufbau einer lebendigen jüdischen Gemeinschaft.  mehr...

Gedenken, erinnern, feiern

In Baden-Württemberg können Interessierte mit eigenen Aktionen am Festjahr teilnehmen. Mehr Informationen gibt es beim Staatsministerium.

Auch Rheinland-Pfalz beteiligt sich, unter anderem regte der Antisemitismusbeauftragte des Landes eine bundesweit erhältliche Sonderbriefmarke an.

Außerdem werden im Podcast #2021jlid jüdische Perspektiven und Geschichten aus und in Deutschland vorgestellt, präsentiert von mirna Funk, Shelley Kupferberg und Miron Tenenberg.

Fürth

Leben Fürther Thorarollen (1/2) - Vor den Nazis versteckt

Isaak Hallemann, Leiter des jüdischen Waisenhauses in Fürth versteckte die Thorarollen und kam mit den ihm anvertrauten Kindern im Konzentrationslager um. Auf einem Zettel hatte er in Hebräisch das Versteck beschrieben.  mehr...

SWR2 Leben SWR2

Fürth

SWR2 Leben Fürther Thorarollen (2/2) - Wiedergefunden, restauriert und verschenkt

Mäzen Leonard Wien finanziert die Restauration. Der in Russland geborene Thoraschreiber Steve Karro macht sich in Miami Beach an die Arbeit und beschreibt, wie das geht.  mehr...

SWR2 Leben SWR2

Jüdisches Leben in Deutschland heute

Gespräch Großes Interesse bei Beamt*innen: Moshe Flomenmann ist seit einem halben Jahr Polizeirabbiner in Baden

Angehenden Polizistinnen und Polizisten das wahre Gesicht des Judentums zu zeigen, sei die Aufgabe der beiden Polizeirabbiner in Baden-Württemberg, sagt Moshe Flomenmann, badischer Landesrabbiner mit Sitz in Lörrach. Die Nachfrage aus Polizeibehörden sei „riesengroß“. Viele Polizeiämter wollten mit den Rabbinern zusammenarbeiten, bilanziert Flomenmann das erste halbe Jahr seiner Tätigkeit als Polizeirabbiner in Baden.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Mannheim

Gespräch Jüdisches Leben in Mannheim – Rita Althausen und das Vermächtnis ihres Vaters

Ein friedliches Miteinander aller ist das Anliegen der Mannheimerin Rita Althausen. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde freut sich auf das Festjahr #2021jlid und hofft, dass Corona gemeinsames Feiern erlaubt.   mehr...

SWR2 Tandem SWR2

SWR2 Glauben Ich bin Jüdin – Aufbruch einer jungen Generation

Von Susanne Babila  mehr...

SWR2 Glauben SWR2

Gespräch Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird 70 – Antsemitismus präsenter denn je

Solange der Antisemitiismus in Deutschland noch so stark sei, sei die politische Arbeit des Zentralrat der Juden in Deutschland unverzichtbar, so Michael Brenner, Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München, in SWR2. Die Geschichte des Zentralrats der Juden in Deutschland stehe stellvertretend für das jüdische Leben im 'Land der Täter' nach 1945. Inzwischen sei der Zentralrat eine politische Organisation für die jüdische Minderheit in Deustchland. Das sei allerdings auch notwendig, denn Antisemitismus und Hass begleitten den jüdischen Alltag auf Schritt und Tritt.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Mannheim

Gespräch 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: Zeichen setzen für mehr Miteinander

Mit dem Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wolle man zeigen, dass Juden in Deutschland Teil der Gesellschaft sind und dass sie hier auch eine Zukunft haben, sagt Rita Althausen, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Mannheim in SWR2. Zudem wolle man ein Zeichen setzen gegen den sich ausbreitenden Antisemitismus: „Wir können immer nur appellieren an die Gesellschaft, dass sie aufsteht gegen diese Strömungen und dass sie sieht, was das Judentum zu bieten hat — nicht nur die Shoah, sondern so viel in Literatur, Kultur, Philosophie“.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Gespräch Juden im Land der „Erinnerungsweltmeister“: Arkadij Khaet über den Kurzfilm „Masel Tov Cocktail“

Juden würden in Deutschland in eine lästige Rolle gedrängt, sagt Regisseur Arkadij Khaet in SWR2 über seinen Kurzfilm „Masel Tov Cocktail“: „Die Rolle des Juden, der auf jeder Gedenkveranstaltung danebensteht und jedes ,Nie wieder!‘ verständnisvoll abnickt“, sich vielleicht sogar, mit Blick auf den Mordanschlag auf die Synagoge in Halle, „auch noch für die stabile Eichentür bedankt“. Das Narrativ von den Deutschen als „Erinnerungsweltmeister“ sei ein Märchen, so Khaet. Jüdinnen und Juden würden in Deutschland auch in den Medien häufig noch immer so beschrieben, als ob sie nicht zum Land gehörten und mit ihnen eine Art „Artenschutz“ betrieben werde.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Die SCHUM-Städte: Jüdisches Kulturerbe im Rheinland

Mainz

Archäologie Jüdische Grabsteine aus dem Mittelalter in Mainz entdeckt

Bauarbeiten in der Mainzer Altstadt förderten Ungewöhnliches zu Tage: Jüdische Grabsteine, die in einer Mauer verbaut waren. Wahrscheinlich stammen sie vom alten jüdischen Friedhof auf dem Judensand, der im Mittelalter der größte seiner Art war. Die Grabsteine werden nun weiter erforscht – passend zum Festjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und zum Antrag der SchUM-Städte als Weltkulturerbe, über den die UNESCO im Sommer entscheiden soll.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Mainz

Welterbe Alte jüdische Zentren am Rhein – Die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz

SchUM leitet sich ab aus den hebräischen Namen von Speyer, Worms und Mainz: Dort entstand im Mittelalter der Verbund jüdischer Gemeinden, der Kultur, Religion und Geistesleben des europäischen Judentums entscheidend geprägt hat.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Geschichte 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: Ein willkürliches Datum?

„1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ – unter diesem Titel findet in Köln ein großer Festakt statt. Doch der Stichtag sei ein willkürliches Datum, das die jüdische Kultur in eine zweifelhafte nationale Tradition stelle, findet SWR-Redakteur Gabor Paal. Vermutlich gab es schon wesentlich früher jüdisches Leben am Rhein und in Süddeutschland.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Klezmer & Co: Jüdische Kultur erleben

Gespräch Angekommen! Jüdische Autor*innen schreiben in Deutschland

„1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ – das wird dieses Jahr gefeiert. Denn ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 belegt, dass damals bereits Jüdinnen und Juden in Köln lebten. Trotz der schweren Pogrome zu Beginn des Ersten Kreuzzugs (1096), während der Pest (1349) und auch trotz des noch immer unfassbaren Holocaust im 20. Jahrhundert leben bis heute Jüdinnen und Juden in Deutschland. In den letzten Jahrzehnten nimmt ihre Zahl sogar stark zu: durch den Zuzug osteuropäischer Juden aus der ehemaligen Sowjetunion und auch weil Berlin bei Israelis besonders beliebt ist. Viele Autorinnen und Autoren sind darunter, und sie bereichern das literarische Leben in Deutschland. Der Kritiker Carsten Hueck kennt die Details.
Carsten Hueck freut sich auf den Roman „Schicksal“ von Zeruya Shalev, der Ende Mai im Berlin-Verlag erscheint, und empfiehlt:
Chaim Grade: „Von Frauen und Rabbinern“
Aus dem Jiddischen von Susanne Klingenstein, Die Andere Bibliothek, 44 Euro.
Tomer Gardi: „Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück“
Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer, Droschl, 20 Euro.  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Linguistik Wie ist Jiddisch als Sprache entstanden?

Seit mehr als 1700 Jahren leben Juden in Deutschland. Zu ihrer Geschichte gehört auch Jiddisch. Es ist im Kern eine germanische Sprache, enthält Wörter aus dem Hebräischen und aus slawischen Sprachen. Wie es genau entstanden ist, wird noch erforscht.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

#zusammenspielen - freie Musiker*innen für SWR2 Klezmer mit Helmut Eisel & JEM

Mit Musik der sephardischen Juden feiert das Trio Helmut Eisel & JEM sein 30-jähriges Bühnenjubiläum. Die mal mitreißende, mal nachdenkliche Musik des Ensembles gibt es in der neuen Folge von #zusammenspielen zu hören.  mehr...

Gespräch Der Mandolinist Avi Avital

Avi Avital hat die Mandoline mit seiner Begeisterung und seiner Virtuosität in die großen Konzertsäle gebracht. Schubladen braucht der kreative Künstler dabei nicht - er liebt es, verschiedenen Genres zu erkunden, spielt Bach und Vivaldi ebenso virtuos wie Klezmer, Tango oder Jazz und wird für seine elektrisierenden, grenzüberschreitenden Interpretationen inzwischen weltweit gefeiert.  mehr...

SWR2 Zur Person SWR2

Klassik Wiederentdeckt: Jens Barnieck spielt Werke des jüdischen Komponisten Friedrich Gernsheim

Lange vergessen und verschmäht, erlebt der spätromantische Komponist Friedrich Gernsheim jetzt eine Renaissance. Der Wiesbadener Pianist Jens Barnieck hat einige seiner Werke neu eingespielt.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Musikgespräch Die Komponistin Elena Kats-Chernin

Grenzen kennt sie nicht, weder im geografischen noch im stilistischen Sinn - die in Taschkent geborene Elena Kats-Chernin entwickelte sich früh zur Kosmopolitin: Von Usbekistan erst nach Russland, dann nach Deutschland, zuletzt nach Australien. So vielseitig die Biografie, so facettenreich das Werk: Groß angelegte Opern und Ballette stehen neben intimer Kammermusik, Folkloristisches und artifizielle Kunstmusik treffen auf Klezmer, Tango oder Ragtime auf. Eine fantasievolle Allrounderin im Gespräch.  mehr...

SWR2 Zur Person SWR2

München

Musik und Forschung München bekommt Forschungszentrum für jüdische Musikkultur

Der Dirigent und Komponist Paul Ben-Haim wurde in München geboren und studierte bis 1920 an der dortigen Musikhochschule. Diese benennt nun ein Forschungszentrum nach ihrem ehemaligen Absolventen.  mehr...

Zur Person Der Geiger Itzhak Perlman - Zum 75. Geburtstag

Itzhak Perlman ist ein weltberühmter Geiger, Professor, und Dirigent. In seinen Konzerten und auf seinen zahlreichen Aufnahmen hört man nicht nur Klassik, sondern auch Jazz, Klezmer und Filmmusik. Am 31. August feiert er seinen 75. Geburtstag und hat nichts von seiner Energie eingebüßt.  mehr...

SWR2 Zur Person SWR2

Antisemitische Gewalt in Deutschland

Gespräch Ronen Steinke - Terror gegen Juden. Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt

Jüdisches Leben in Deutschland ist ständig bedroht – und Staat und Justiz kommen ihrer Schutzaufgabe nicht nach. Das ist die Anklage, die Ronen Steinke in seinem neuen Buch „Terror gegen Juden“ erhebt. Er hat die Bedrohung jüdischer Gemeinden im ganzen Bundesgebiet dokumentiert.
Theresa Hübner im Gespräch mit Ronen Steinke.  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Gespräch Urteil zum Anschlag von Halle: Prozess war keine Bühne für Rechtsterror

Lebenslange Haft, anschließende Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld – das fordern Bundesanwaltschaft und Nebenklage als Urteil im Prozess gegen den rechtsterroristischen Attentäter von Halle. Er hatte 2019 versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Nachdem er die massive Tür der Synagoge nicht öffnen konnte, erschoss der Angeklagte zwei Passanten und verletzte weitere Menschen.
Im Gespräch mit SWR2 betont die Prozessbeobachterin Antonie Rietzschel von der Süddeutsche Zeitung, dass es dem Täter nicht gelungen sei, den Prozess als Bühne für seine antisemitische Ideologie zu nutzen: „Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens hat einerseits dem Angeklagten erlaubt sich zu äußern, anderseits hat sie ihn unterbrochen und zurecht gewiesen.“ Der Prozess selbst sei auch wegen der Teilnahme der Öffentlichkeit eine Mahnung zum wachsamen Umgang mit Rechtsterror.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Geschichte Holocaust-Gedenktag 2021: Erstarken des Antisemitismus verhindern

Holocaust, Schoah, Porajmos: Der grausamen Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten fielen vor allem Juden und Jüdinnen, Sinti*ze und Rom*nja, Menschen mit Behinderungen und psychisch Kranke zum Opfer. Andere Bevölkerungsgruppen wie Homosexuelle, Zeugen Jehovahs und sogenannte Asoziale und Berufsverbrecher wurden ebenfalls systematisch verfolgt, gequält und ermordet. Ihrer und aller anderen Opfer der Nationalsozialisten – darunter auch politische Gefangene, Zwangsarbeiter*innen und Widerstandskämpfer*innen – wird seit 1996 am 27. Januar in Deutschland gedacht. Der Tag markiert die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee 1945 und ist seit 2005 auch weltweit Gedenktag der Opfer des Holocaust. 2021 steht er in Deutschland außerdem im Kontext des Festjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.  mehr...

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