Weingarten

Joachim Brunner: Unbequemer Quergänger

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Stolperstein in der Wilhelmstr. 30

Joachim Brunner war Hausierer. Der Nazigegner verkaufte aber nicht nur Knöpfe, Hosengummis, Socken und Arbeitskleidung, sondern diskutierte mit den Leuten, tauschte Nachrichten mit Gleichgesinnten aus. Er wurde wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet und im KZ Mauthausen ermordet.

Kurzbiografie:
Joachim Brunner (*1884) stammt aus Bad Waldsee im Kreis Ravensburg. Von Beruf war er Eisendreher, verdiente sein Geld aber als Hausierer. Mit seinem Fahrrad, später einem Moped, kam er im ganzen Oberland herum und war bekannt.

 Brunner war verheiratet, er hatte zwei Töchter und lebte seit 1912 in Weingarten. 1919 kandidierte er für die SPD für den Gemeinderat. Er hielt Kontakt mit Linken, SPD-Mitgliedern und Kommunisten. 1937 bekam er eine Passsperre und war damit vorbestraft.

Sechs Jahre später wurde er verhaftet, als er im Cafe Haimayer in Weingarten, dem Treffpunkt von Arbeitern und Linken, beim Kartenspiel saß. Ebenso seine beiden Mitspieler. Einer von ihnen, Sepp Brei, kam mit Brunner ins Konzentrationslager Welzheim. Er überlebte und wurde nach dem Krieg kommissarischer Bürgermeister in der Gemeinde Baienfurt bei Weingarten.

Brunner hingegen kam von Welzheim nach Dachau und zuletzt ins KZ Mauthausen. Dort wurde er kurz vor Kriegsende als kranker 61-jähriger Mann vermutlich ermordet. Sein Tod wird auf den 12. März 1945 datiert. Acht Wochen später war die Herrschaft der Nazis in Deutschland beendet.

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