Fellbach im Remstal

René Billet: Als Kriegsgefangener ermordet

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Stolperstein in der Gotthilf-Bayh-Straße 9

Die Alliierten waren nicht mehr weit entfernt, das Kriegsende schien nahe. Einen Monat vor Kriegsende wurde der französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in seiner Unterkunft abgeholt. Einen Tag später war er tot.

Kurzbiografie:

René Billet (*1914) war französischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter.

Der zweifache Familienvater musste mehrere Jahre in der Landwirtschaft im Remstal arbeiten.

Während dieser Zeit wohnte er im "Grünen Baum" im Fellbacher Ortsteil Schmiden.

Am Abend des 2. April 1945 wurde René Billet dort vom Volkssturm abgeholt und ins Gefängnis gebracht.

Tags drauf wurde er hingerichtet, erschossen und verscharrt, zusammen mit den beiden französischen Zwangsarbeitern Albert Lafoy und Marcel Couasnard.

Männer tragen einen Sarg durch die Straße (Foto: Pressestelle, Stadtarchiv Fellbach -)
Zug der Särge und Täter im Mai 1945. Vorne links am Bildrand der für die Ermordung der Kriegsgefangenen verantwortliche Hermann Weißbarth. Pressestelle Stadtarchiv Fellbach -


Auslöser für die Tragödie wenige Tage vor Kriegsende waren unbedachte Äußerungen über die Folgen des nahen Einmarsches der Alliierten, die dem Anführer des lokalen Volkssturms, Hermann Weissbarth, hinterbracht wurden.

Weissbarth war bis in die letzten Kriegstage als Scharfmacher tätig.

Nach dem Krieg befand sich Fellbach wie Stuttgart zehn Wochen unter französischer Militärregierung.

Die Mitglieder des Volkssturms mussten die Leichen der drei Kriegsgefangenen wieder ausgraben und in ihren Särgen durch den Ort tragen.

Frankreich ehrte den ermordeten Zwangsarbeiter als "Gefallen für Frankreich" und ließ seine sterblichen Überreste in die Heimat überführen.

Die Fellbacher Wirtsfamilie, bei der René Billet untergebracht war, besuchte nach dem Krieg seine Eltern. Seine Frau und die beiden Kinder verweigerten den Kontakt.

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