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Von Ruth Jakoby

Mehr Eleganz durch weniger nackte Haut auf dem Laufsteg: „Modest Fashion“ ist ein Megatrend, von Dubai bis New York. Ursprünglich sollte sich die „bescheidene Mode“ religiös-orthodoxen Bekleidungsregeln anpassen. Inzwischen aber findet das neue Credo gerade auch bei jungen Musliminnen Anklang. Auf Instagram setzen sie mit Modest Fashion selbstbewusste Statements, die so gar nicht den gängigen Kopftuchklischees entsprechen.

Modest Fashion - bescheidene Mode „Weniger ist mehr“ lautet das neue Modecredo

Anfangs wollte niemand mit „Modest Fashion“ zu tun haben

Modedesignerin Meriem Lebdiri aus dem rheinland-pfälzischen Germersheim betreibt das erfolgreiche Modest Fashion-Label „Mizaan“. Lange Röcke, hochgeschlossene Kleider und weite Schnitte prägen ihre Kollektionen.

„Am Anfang war es total schwierig“, erinnert sich Lebdiri. „Niemand wollte etwas mit Modest Fashion zu tun haben. Das kannte man in Deutschland nicht.“

Der Hijab - kein Zeichen der Unterdrückung

Hierzulande wird Modest Fashion noch immer mit Argwohn betrachtet. Beliebtes Accessoire bei Modest Fashion ist der Kurzschleier, Hijab. Er wird oft als Symbol der Unterdrückung muslimischer Frauen gesehen.

Modest Fashion als globaler Trend

asdfModest-Fashion verbreitet sich über Instagram

Dabei sei Mode immer auch ein Ausdruck für kulturellen Wandel, findet die Kulturanthropologin Fatma Sagir. Sie forscht an der Uni Freiburg zur Popkultur junger Muslime. Muslimische Influencerinnen, die Modest Fashion auf Instagram bewerben, träten nicht züchtig oder bescheiden auf, sondern cool und selbstbestimmt.

„Die gängigen Vorstellungen zur muslimischen Frau - dass sie zurückhaltend sei, keine kräftigen Farben oder eng anliegende Kleidung trage, sich den Blicken fremder Männer entziehe - werden von ihnen widerlegt“, ist Fatma Sagir überzeugt. „Und das, obwohl sie, auf den ersten Blick betrachtet, eine islamische Bekleidung tragen.“

Neuer Modetrend als Zeichen der Emanzipation

Statt mit der Familie oder dem sozialen Umfeld über Kleidungsvorschriften zu streiten, legten die jungen Modebloggerinnen einfach los. Mit Hilfe von Modest Fashion zeigten sie sich so, wie sie sein wollten. Mode als Emanzipationsvehikel - es wäre nicht das erste Mal.

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