Baden-Baden

Robert Nachmann: Zu Fuß in die Emigration

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Stolperstein in der Lichtentaler Str. 14

Bei Robert Nachmann kam der Alltag in Deutschland zu einem abrupten Ende. Als dem Inhaber eines Spielwarengeschäfts im Januar 1936 ein angebliches Devisenvergehen zum Vorwurf gemacht wurde, flüchtete er Hals über Kopf über Frankreich in die Schweiz. Schließlich wurde Haifa zur neuen, zunächst ungeliebten Heimat.

Irene, Max und Robert Nachmann im Schlafanzug, ca. 1925 (Foto: SWR, SWR -)
Sonntagmorgen im Schlafanzug: Robert Nachmann mit seinen Kindern Irene und Max, ca. 1925 SWR -

Kurzbiografie:

Robert Nachmann (geb.1884) führte zusammen mit seiner Frau Frieda den "Schwarzwald-Bazar" – die Adresse schlechthin für Spielwaren in Baden-Baden. Vor dem Ersten Weltkrieg tätigten hier viele prominente Kurgäste, u.a. Prinz Max von Baden, der Kronprinz und der König von England ihre Einkäufe.

Nach 1933 war nicht wenigen Parteigenossen das gut gehende Geschäft ein Dorn im Auge. Da war es nicht überraschend, dass man versuchte, dem Geschäftsmann das Leben schwer zu machen. "Nur mit Spazierstock und Hut", um kein Aufsehen zu erregen, ging er zu Fuß über die Grenze nach Frankreich, als ihm ein Devisenverfahren angehängt wurde. Das erzählte er später den Enkeltöchtern. Seine Frau und Tochter Irene folgten einen Tag später – mit nicht mehr als einem Koffer - zu Freunden nach Basel. Dort trafen sie auch Sohn Max wieder, der zu diesem Zeitpunkt Jura in Grenoble studierte. Ein Daueraufenthalt in der Schweiz wurde der Familie aber nicht gewährt.

Schließlich fanden die Nachmanns ein neues Zuhause in Palästina, wo sich die Familie völlig umorientieren musste.

Sohn Max konnte sein in der Schweiz begonnenes Jurastudium nicht fortführen. Robert Nachmann gelang es nicht mehr, ein neues Geschäft zu gründen, denn seine finanziellen Mittel reichten dazu nicht aus. Auch die Unkenntnis der hebräischen Sprache erwies sich als allzu großes Hindernis. Seine Frau Frieda starb 1939 in Haifa.

Überleben war, insbesondere für Frauen, auch mit dem Verzicht auf begonnene Lebensentwürfe verbunden. In der Emigration waren typische Frauenberufe gefragt.

Auch der Traum, Ärztin zu werden, ging für Tochter Irene nicht in Erfüllung: In Palästina konnte sie nicht mehr die Schule besuchen, sondern begann eine Schneiderlehre.

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SWR