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Flucht wohin?

Trotz aller Bemühungen um ein Ausreisevisum war eine Emigration nicht immer möglich. Die meisten Länder verschlossen ihre Tore ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als der Zwang zur Auswanderung aufgrund der wirtschaftlichen Existenzvernichtung in Deutschland und Österreich besonders stark anstieg. So flohen nach dem "Anschluss" (13.3.1938) ca. 130 000 österreichische Juden innerhalb kürzester Zeit. Theodor Roosevelt berief zwar im französischen Evian eine Konferenz zur Lösung der jüdischen Flüchtlingsfrage (6.7. bis 14.7.1938) ein. Aber sie war von Anfang an zum Scheitern verurteilt und die Nazis sahen sich in ihrer antisemitischen Politik bestätigt.

mehrere alte Koffer aufeinandergestapelt an einer Gartentür (Foto: SWR, SWR - Angelika Schindler)
SWR - Angelika Schindler

"Das Boot ist voll" – Politik

Nach der Konferenz senkten viele Länder die Einwanderungszahlen. Auch die USA erhöhten die Quoten nicht und schöpften sie erst 1939 zum ersten Mal voll aus. Die Voraussetzung dafür, nämlich die Stellung eines zahlungskräftigen Bürgen, erwies sich für viele als zu hohe Hürde. Im Frühjahr 1939 verbot die britische Regierung die Einwanderung in ihr Mandatsgebiet Palästina. Einer der wenigen visafreien Fluchtwege blieb das von Japanern besetzte Shanghai. Latenter Antisemitismus und eine "Das Boot ist voll" - Politik dominierten in den meisten möglichen Zuwanderungsländern. Letztlich konnte insgesamt gut die Hälfte der rund 500.000 Juden, die 1933 noch in Deutschland lebten, emigrieren bis am 23.10.1941 die Auswanderung aus Deutschland verboten wurde.

Die Lage der Internierten in Vichy-Frankreich

Für die im Oktober 1940 in das unbesetzte Frankreich deportierten Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland bestand die Möglichkeit, die Aufnahmelager zu verlassen: Voraussetzung dafür war ein Nachweis, dass sie den Aufenthalt in den von den französischen Behörden überwachten Hotels oder anderen Unterkünften finanzieren konnten. Ihre Auswanderung war erwünscht bis zum Ausreiseverbot im Februar 1942.

Ab 27.3.1942 begannen die Transporte in die Vernichtungslager. Der letzte Zug verließ das Sammellager Drancy bei Paris am 17.8.1944.

Von Angelika Schindler //

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