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App „Drive and Listen“: virtuelle Stadtfahrten weltweit mit lokalem Radioerlebnis

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Je länger die Corona-bedingten Einschränkungen andauern, desto mehr wächst bei vielen Menschen das Fernweh. Auch das Reisen hat sich - wie so vieles - notgedrungen in die virtuelle Welt verlagert. Eine Seite, die besonders gut gegen Fernweh hilft, ist „Drive and Listen“. Sie ermöglicht Spritztouren durch Städte auf der ganzen Welt - und nebenbei kann man auch noch die lokalen Radiosender einschalten und genießen.

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Eine virtuelle Fahrt durch Delhi mit den „Hits of Bollywood“ im Radio

Flirrende Hitze liegt über der Straße, gesäumt von sattem Grün, die Autos hupend dicht an dicht, dazwischen schlängeln sich Rikschas, Mopeds und Fahrräder: Wir fahren durch das indische Delhi - und um den Indien-Eindruck perfekt zu machen, schalten wir noch schnell den Sender „Hits of Bollywood“ ein.

Straßenansicht in Delhi aus einem fahrenden Auto heraus - Screenshot aus der App "Drive and Listen" (Foto: driveandlisten.herokuapp.com)
Per App durch Dehli - bei „Drive and Listen“ bekommt man nicht nur Filmansichten der Stadt aus dem Auto heraus, sondern kann dabei auch das passende Radioprogramm hören. driveandlisten.herokuapp.com

Es ist schon erstaunlich, wie schnell man am Bildschirm in eine ganz andere Welt eintauchen kann. Schon die Ortsnamen, durch die man sich auf der Seite „Drive and Listen" scrawlt, klingen gerade in diesen Zeiten wie herrliche Verheißungen auf Exotik und Abenteuer: Guadalajara, Hawaii, Sao Paolo, Havana, Chicago, Istanbul, Beijing, Yekaterinburg und so weiter.

Entstanden durch das Heimweh eines Programmierers nach Instanbul

53 Städte kann man inzwischen auf der Seite besuchen. Die Idee zu „Drive and Listen“ hatte der junge türkischstämmige Programmierer Erkam Seker, der gerade an der TU München seinen Master macht. Als er im letzten Jahr wegen der Reisebeschränkungen nicht in seine Heimatstadt Istanbul reisen konnte, vermisste er schmerzlich seine Touren durch die Stadt, sogar den Lärm und den Verkehr, berichtet er der Online-Ausgabe von Lonely Planet. Er sah sich auf dem Handy immer öfter Videos von Istanbul an und - um das Gefühl noch zu steigern - hörte er auch lokale Radiosender dazu.

Wie eine Taxifahrt nach der Ankunft am Reisezielort

Was gedacht war, um Heimweh zu lindern, funktioniert aber eben auch genau so gut gegen das grassierende Fernweh: „Drive and Listen“ empfindet diese gewisse „Magie des Ankommens“ ziemlich gut nach: wie man in der Fremde ankommt, sich in ein Taxi setzt und die ersten Eindrücke beim neugierigen Blick aus dem Fenster aufsaugt.

Die subjektiv gefilmten Videos der weltweiten Autofahrten hat Erkam Seker aus dem Internet zusammengesucht. Man kann das Fahrtempo bestimmen, den Lärm der Straße an- oder abschalten und man kann eben auch, fürs besondere Lokalkolorit, das Autoradio andrehen.

Eine lebensrettende Internetseite!

Auf Instagram hat „Drive and Listen“ inzwischen über 33.000 Follower. Viele wünschen sich, dass schnell neue Orte dazukommen und machen Vorschläge: Kairo, Bukarest, Teheran, Jerusalem, Brüssel oder Jakarta. „This is such a life saver“, schreibt einer: eine lebensrettende Seite!

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