Gespräch

Antisemitismus-Beauftragter Felix Klein: Zahl antisemitisch motivierter Vorfälle so hoch wie nie zuvor

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Marie Gediehn
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Wilm Hüffer

Die Zahl antisemitisch motivierter Vorfälle oder Straftaten habe erschreckend zugenommen, sagt der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zu den Ergebnissen des Jahresberichts des Bundesverbands Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS). Die Zahlen gingen auf die 3.000er-Marke zu, sagt Felix Klein in SWR2. „So hohe Zahlen hat es noch nie gegeben. Das ist ein erneuter, dringender Handlungsauftrag an uns alle.“

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Antisemitismus nimmt weiter zu

Die hohen Zahlen gemeldeter Vorfälle seien dabei nicht nur negativ zu bewerten, glaubt Klein: „Erstens haben doppelt so viele Meldestellen zu dem Ergebnis beigetragen wie im Vorjahr, die Ausgangslage hat sich geändert“, so der Antisemitismusbeauftragte. „Zweitens vertrauen jüdische und nicht-jüdische Betroffene auf unsere Arbeit und melden eben auch Vorfälle.“

Gleichzeitig zeigten die Zahlen aber auch, dass Antisemitismus weiter zunehme. Dinge, die früher nur gedacht worden seien, würden jetzt auch offen geäußert, selbst wenn sie in den strafrechtlichen Bereich hineinreichten. Felix Klein: „Das müssen wir mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, bekämpfen.“

Antisemitismus ist international hervorragend vernetzt, wie die Vorfälle bei der Documenta zeigen

Die Reaktionen auf die Präsentation antisemitischer Kunstwerke bei der Kasseler documenta zeigten dabei, dass die gesellschaftlichen Reflexe funktionierten. „Es zeigt aber eben auch, leider“, so Felix Klein, „dass Antisemitismus international hervorragend vernetzt ist und seine israel-bezogenen Formen nicht nur extremistische, sondern auch progressive Milieus, Künstlermilieus im globalen Maßstab miteinander verbinden.“

Was geht - was bleibt? Zeitgeist. Debatten. Kultur. Antisemitismus: Die Desaster-Documenta

Monatelange Warnungen und Debatten und dann ist es genauso gekommen: Antisemitische Abbildungen auf der Documenta. Der Schaden für die weltweit wichtigste Kunstausstellung ist enorm. Zu allem Überfluss fehlt eine Person, die klar die Verantwortung übernimmt, sagt Jan Tussing im Podcast. Außerdem erklärt Andrea Geier, Kulturwissenschaftlerin von der Uni Trier, die vertrackte Geschichte des Antisemitismus in antikolonialen Kontexten.

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Redaktion: Max Knieriemen, Pia Masurczak und Philine Sauvageot  mehr...

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